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Antrag

                                    
                                        Stadt Karlsruhe
Der Oberbürgermeister

Vorlage Nr.:

ANTRAG

2019/1311

GRÜNE-Gemeinderatsfraktion
Pilotprojekt Präventive Hausbesuche bei 75jährigen

Gremium

Termin

TOP

ö

Gemeinderat

21.01.2020

24

x

nö

1) Die Verwaltung entwickelt ein Rahmenkonzept für zugehende Präventive Hausbesuche bei 75Jährigen in Karlsruhe.
a. Als Grundlage verwendet sie dabei die in der Handreichung für Kommunen
dargestellten Erfahrungen des vom Sozialministerium Baden-Württemberg
geförderten Modellprojekts „PräSenZ“ (Prävention für Senior*innen zu Hause“)1.
b. Besonderer Wert wird bei der Entwicklung des Konzepts auf eine qualitativ hochwertige
Schulung der Berater*innen gelegt, die sowohl im pflegerisch-fachlichen Bereich, bzgl.
der Angebotssituation Karlsruhe als auch im kommunikativen Bereich kompetent sein
müssen.
c. Für eine Übergangszeit während der Einführungsphase des Projekts in einem
ausgewählten Stadtteil sollen auch die Senior*innen
berücksichtigt werden, die älter als 75 Jahre alt sind.
2) Im Anschluss führt die Verwaltung in einem ausgewählten Stadtteil
„Präventive Hausbesuche bei 75-Jährigen“ als Pilotprojekt ein.
3) Die Verwaltung berichtet regelmäßig über den Entwicklungsstand der
Konzepte und des Pilotprojekts in den zuständigen Gremien des
Gemeinderates.
Sachverhalt / Begründung
In der Gemeinderatssitzung vom 22. Oktober 2019 wurde die Anfrage der GRÜNEN zum Thema
„Hausbesuche bei 75-Jährigen“ beantwortet. Die Verwaltung machte deutlich, dass dieses Modell in
verschiedenen Kommunen
erprobt wird, um „Erfahrungen zu sammeln, Bedarf und Akzeptanz und den daraus resultierenden
Ressourcenbedarf abzuschätzen und anzupassen“.
Die Grüne Gemeinderatsfraktion fühlt sich dem Ziel der Daseinsfürsorge für alle Bürger*innen und
damit auch für die der Senior*innen verpflichtet.
Senior*innen sollten die Chance haben, das Leben möglichst lang aktiv und selbstbestimmt zu
gestalten und Pflegebedürftigkeit möglichst zu verhindern oder hinauszuzögern. Um vorhandene
Bedarfe zu eruieren und zu befriedigen, müssen die Senior*innen zunächst umfassend über ihre
Möglichkeiten informiert sein.
Bedenklich ist z.B., dass viele Elemente des deutschen Gesundheitssystems nicht genutzt werden,
weil sie für größere Bevölkerungsgruppen schwer verständlich sind (siehe Studie BertelsmannStiftung 2016)2. 66 % der Menschen in höherem Alter wissen beispielsweise nur unzureichend, wo
und wie sie Informationen zu Gesundheit und Versorgung finden, was sie in ihrem Alltag tun sollten,
um ihre Gesundheit bestmöglich zu erhalten und sie zu fördern.

Ergänzende Erläuterungen

Seite 2

Das erfolgreiche und evaluierte Modellprojekt „PräSenz“(Prävention für Senior*innen zu Hause)1
wurde in den Jahren 2014-2017 in drei Modellkommunen in Baden-Württemberg, u.a.in Ulm
umgesetzt. Es wurde durch das Ministerium für Soziales und Integration gefördert. Das Deutsche
Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. war Projektträger und hat das Modellprojekt
wissenschaftlich begleitet. Die im Nachgang des Projektes erarbeitete „Handreichung für
Kommunen zum Modellprojet PräSenZ“ 3 steht landesweit als Grundlage für die Einführung von
Präventiven Hausbesuchen zur Verfügung.
Städte wie Stuttgart, Hamburg, Köln führen präventive Hausbesuche durch.
Beratungsgespräche bei präventiven Hausbesuchen sind ein Angebot und damit freiwillig. Es hat
sich als sinnvoll herausgestellt, die Berater*innen an städtische Strukturen anzubinden und in
einem Schreiben zum Geburtstag durch den Oberbürgermeister einen Termin vorzuschlagen.
Themen wie Wohnsituation, Hilfen im Haushalt, Gesunderhaltung, soziale Einbindung, Mobilität
oder Finanzielles können besprochen und passgenaue Hilfen von den Berater*innen vermittelt
werden. Durch die Besuche soll Vertrauen in die Unterstützungsangebote vor Ort aufgebaut und die
Senior*innen aktiviert werden, ihre jetzige und zukünftige Situation selbstbestimmt zu planen.
Das Projekt stellt keine Doppelstruktur bzw. Konkurrenz zu bestehenden Angeboten dar: Die
Berater*innen informieren und vermitteln Senior*innen dem Seniorenbüro der Stadt und den
Trägern der Senior*innenhilfe.
Zunächst sollen in einem ausgewählten Stadtteil „Präventive Hausbesuche bei 75-Jährigen“ als
Pilotprojekt angeboten und evaluiert werden. Mit den dabei gesammelten Erfahrungen soll eine
Ausweitung des Angebots auf das gesamte Stadtgebiet erfolgen.
Zur Einführung des Pilotprojektes gehört auch ein Konzept zur Frage, wie die Über-75-Jährigen
übergangsmäßig ebenfalls von dem Angebot profitieren können und damit nicht benachteiligt
werden.
Die Grüne Gemeinderatsfraktion geht nach den Ergebnissen von “PräSenZ”1 davon aus, dass die
Einführung präventiver Hausbesuche dazu beiträgt, die Notwendigkeit der Pflege für ältere
Mitbürger*innen hinauszögern oder sogar zu verhindern und durch Infos über quartiernahe
Angebote die Einsamkeit von alten Menschen zu lindern. Die Verwaltung wiederum kann auf diese
Weise erfahren, welche Bedarfe für die ältere Bevölkerung in den einzelnen Stadtteilen bestehen.
Voraussetzung für erfolgreiche Hausbesuche ist laut Evaluation die gute
Qualifizierung der Berater*innen.
Durch regelmäßige Berichte in den zuständigen Gremien hat der Gemeinderat die Möglichkeit über
notwendige Maßnahmen zu entscheiden.

Unterzeichnet von:
Verena Anlauf
Aljoscha Löffler
Michael Borner
Niko Riebel

Ergänzende Erläuterungen

(1) https://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/projekte/Pr%C3%A4SenZ-DIPProjektbericht_Endfassung_Druckversion_final.pdf
(2) Schaeffer, D./Vogt,D./Berens, E.M./Hurrelmann, K. „Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in
Deutschland – Ergebnisbericht, Bielefeld“, Universität Bielefeld, 2016
https://www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag6/downloads/Ergebnisbericht_HLS-GER.pdf
(3) https://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/projekte/Pr%C3%A4SenZ-Handreichung-DIP-final_1.pdf

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