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Genderstern Informationsvorlage Anlage

                                    
                                        Stadt Karlsruhe
Gleichstellungsbeauftragte
Stand: Dezember 2021

Abschlussbericht des Projekts
Genderstern - Umsetzung geschlechtergerechter
Sprache bei der Stadt Karlsruhe
Projektleitung: Verena Meister, Gleichstellungsbeauftragte
Weitere Projektbeteiligte:
Presse- und Informationsamt
Personal- und Organisationsamt
Kulturamt
Kommunale Behindertenbeauftragte

Tobias Jüngert seit September 2021
Bernd Wnuck bis Juli 2021
Christina Lindner seit Juni 2021
Wolfgang Walter bis April 2021
Dominika Szope seit Oktober 2021
Dr. Susanne Asche bis August 2021
Ulrike Wernert

Anlass und Ausgangslage
Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil vom 10. Oktober 2017 festgelegt, dass die
Kategorien „männlich“ und „weiblich“ als Personenstand nicht ausreichen und die Legislative
dazu aufgefordert, das Personenstandsrecht entsprechend zu ändern. Seit Inkrafttreten des
geänderten Personenstandrechts am 1. Januar 2019 wird mit der dritten Geschlechtsoption
offiziell anerkannt, dass es Menschen gibt, die sich nicht in die binären Kategorien „Frau“
und „Mann“ einordnen. Auch Kommunen sind durch diese rechtliche Änderung
aufgefordert, der geschlechtlichen Vielfalt auch sprachlich Ausdruck zu verschaffen. Bisher
gibt es auf Bundesebene keine einheitliche Umsetzung einer entsprechenden
geschlechtergerechten Sprachregelung. Viele Kommunen haben deshalb eigene Regelungen
entwickelt.
Bei der Stadt Karlsruhe steht eine umfassende Anpassung der Vorgaben für
geschlechtergerechten Sprache an die neuen rechtlichen Gegebenheiten noch aus. Bislang
wurde die Praxis der Stellenausschreibungen geändert: Im Jahr 2018 wurde zunächst in
Stellenausschreibung das generische Maskulinum mit den Zusatz (m,w,d) verwendet. Das
generische Maskulinum ist jedoch keine geschlechtergerechte Ausdrucksform. Darüber hinaus
fehlt eine Anpassung der allgemeinen Verwaltungssprache im Rahmen des Corporate
Designs. Eine Weiterentwicklung und gesetzeskonforme Anpassung der Vorgaben zu
geschlechtergerechter Sprache bei der Stadt Karlsruhe ist notwendig.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Geschlechtervielfalt in der Sprache sichtbar zu
machen. Nach Beobachtung des Rats für deutsche Rechtschreibung findet der Genderstern
zurzeit die breiteste Verwendung1. Im Rahmen des Projekts sollte deshalb die Umsetzbarkeit
des Gendersterns in der Verwaltung geprüft werden.

Kurzbeschreibung des Projektes
Der Genderstern wurde zunächst in drei Pilotämtern verwendet. Pilotämter, die den
Genderstern zur Erprobung genutzt haben, sind die Gleichstellungsbeauftragte, das
Kulturamt und das Personal- und Organisationsamt (hier kommt der Genderstern nur in
Stellenanzeigen zum Einsatz). Das Presse- und Informationsamt hat das Pilotprojekt
kommunikativ begleitet. Auf Grundlage der Erfahrungen mit dem Pilotprojekt wurde eine
Empfehlung für die Verwendung des Gendersterns in der Stadtverwaltung formuliert.

Projektziele
1.
2.
3.
4.

Erfahrungen in der Umsetzungspraxis des Gendersterns sammeln
Akzeptanz des Gendersterns bei den Mitarbeitenden und der Stadtgesellschaft
ermitteln
Mögliche Hindernisse bei der Umsetzung des Gendersterns erkennen
Empfehlung für das weitere Vorgehen

Projektergebnis
1.

Erfahrungen aus der Umsetzungspraxis

Der Genderstern wurde vom Kulturamt und von der Gleichstellungsbeauftragten in der
internen und externen Kommunikation verwendet, vor allem in E-Mails, Flyern, Broschüren
und auf den Internetseiten. Das Personal- und Organisationsamt hat den Genderstern
ausschließlich bei Stellenausschreibungen verwendet, sowohl in Ausschreibungstexten als
auch im E-Recruiting-Programm.
In folgenden Dokumenten wurde der Genderstern nicht verwendet:




1

Wissenschaftliche Publikationen, Erinnerungsstelen, Gedenktafeln:
Grundsätzlich ist die Verwendung des Gendersterns auch in diesen Texten möglich.
Diese Texte sind jedoch langfristig sichtbar. Für eine Umsetzung des Gendersterns in
diesen Texten wird ein gesamtstädtischer Beschluss zur geschlechtergerechten Sprache
abgewartet.
Gemeinderatsvorlagen / Ausschussvorlagen / Satzungen:
Diese Dokumente waren explizit von dem Pilotprojekt Genderstern ausgeschlossen.

Rat für deutsche Rechtschreibung (2021): Die Entwicklung und Bewertung des Themas „Geschlechtergerechte
Schreibung“ in der Beobachtung des Schreibgebrauchs 2018-2020, S. 3



Reden:
Die Aussprache des Gendersterns ist nach Aussage von Dr.in Susanne Asche für Viele
ungewohnt. Das Kulturamt hat hier eine Verunsicherung festgestellt.
Anmerkung: Das Pilotprojekt Genderstern bezog sich nur auf die Schriftsprache.

Die Information der Mitarbeitenden über die Verwendung des Gendersterns erfolgte beim
Kulturamt und bei der Gleichstellungsbeauftragten mündlich in der Führungsrunde
beziehungsweise bei der Teambesprechung. Die Information zur Verwendung des
Genderstern in Stellenausschreibungen wurde in einem Schreiben des
Personaldezernenten an alle Dienststellen versendet.

2.

Akzeptanz bei Mitarbeitenden und in der Stadtgesellschaft

Der Genderstern stößt im Personal- und Organisationsamt auf eine persönliche Begeisterung
bei vielen Mitarbeitenden. Viele zeigten sich erleichtert, bei Stellenausschreibungen nicht
mehr das generische Maskulinum mit dem Zusatz (m/w/d) verwenden zu müssen.
Die neue Vorlage für Stellenausschreibungen für die Dienststellen und die Sammelanzeigen
mit Genderstern stechen laut Personal- und Organisationsamt in den Printmedien hervor. Die
Stadt präsentiere sich mit dem Genderstern als moderne Arbeitgeberin.
Von den Bewerber*innen gab es weder positive noch negative Rückmeldung.
Auch im Kulturamt stößt der Genderstern auf große Akzeptanz. Es wurden insgesamt gute
Erfahrung gemacht. Dr.in Susanne Asche sieht es als politisch geboten an, den Genderstern zu
verwenden. In der Kulturszene sei der Genderstern bereits etabliert. Die Kooperierenden des
Kulturamtes verwendeten ihn schon einige Zeit.
Darüber hinaus gab es weder positive noch negative Rückmeldung.
Auch bei der Gleichstellungsbeauftragten stößt der Genderstern auf große Akzeptanz. Es sind
keine Rückmeldungen zur Verwendung des Gendersterns eingegangen.
Das Presse- und Informationsamt erhielt erboste E-Mails von Frauen und Männern, das
Verwenden des Gendersterns zu unterlassen, nachdem eine Pressemeldung mit Genderstern
unbeabsichtigt im Corona-Portal veröffentlicht wurde. Das Presse- und Informationsamt
plädiert dafür, die Argumente von Kritiker*innen anzuschauen und bei einer finalen
Entscheidung über die Ausgestaltung einer geschlechtergerechten Sprache bei der Stadt
Karlsruhe zu berücksichtigen.

3.

Mögliche Hindernisse bei der Umsetzung des Gendersterns

Technische Herausforderungen
Eine technische Hürde bei der Umsetzung des Gendersterns ist die Anpassung von
Softwareprogrammen wie SAP, E-Akte, Enaio oder das Buchungszentrum der Bibliothek. Es
werden hohe Kosten für eine Umstellung auf den Genderstern erwartet. Als Voraussetzung
für eine Anpassung der Softwareprogramme sehen die Projektbeteiligten einen
überregionalen Grundsatzbeschluss und eine finanzielle Förderung von der Landes- oder
Bundesebene als erforderlich an.

Die Suchmaschinen in den Stellenportalen sind dagegen bereits an die Verwendung des
Gendersterns angepasst. Die Stellenausschreibungen der Stadtverwaltung lassen sich auch mit
Genderstern ohne Probleme finden.
Barrierefreiheit
Nach Auskunft der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) haben sich die verschiedenen
Interessenverbände von Menschen mit Behinderung bisher nicht auf einheitliche Empfehlung
einigen können. Der ADS gibt deshalb keine offizielle Empfehlung zu einer
geschlechtergerechten und barrierefreien Sprache heraus.
Aus Sicht der kommunalen Beauftragten für Menschen mit Behinderung, Ulrike Wernert, gibt
es unter Menschen mit Behinderung – wie insgesamt in der Gesellschaft – unterschiedliche
Ansichten zum Genderstern. Darunter sind sowohl kritische Ansichten zum Genderstern als
auch große Begeisterung. Es gibt Personen, die den Genderstern befürworten und ihn bereits
ganz selbstverständlich nutzen.
Die Barrierefreiheit stellt vor allem für seh- und lesebehinderte Menschen eine
Herausforderung dar. Der Genderstern wird von Vorleseprogrammen standardmäßig mit
vorgelesen (Leiter*in = Leiter Sternchen in). Die Ansage von Sonderzeichen kann jedoch auch
abgeschaltet werden. Für Menschen mit einer Sehbehinderung wäre es für die Barrierefreiheit
hilfreich, wenn sich eine einheitliche Schreibweise durchsetzen würde. Damit würde die
Leseerfahrung steigen und die Vorlesesoftware könnte entsprechend angepasst werden.
Diese Argumentation spricht für eine Verwendung des Gendersterns.
Für Menschen, die nicht gut lesen können oder andere Schwierigkeiten mit dem Verstehen
von Texten und Inhalten haben, hat leichte Lesbarkeit und Verständlichkeit Priorität. Der
Genderstern erfüllt diese Anforderung nicht. Die Kommunale Behindertenbeauftragte und
Gleichstellungsbeauftragte empfehlen deshalb, in Dokumenten in Leichter Sprache auf
geschlechtergerechte Sprachformen mit Satz- oder Sonderzeichen zu verzichten. Hier sollten,
wenn möglich, andere Formen des Genderns gesucht werden wie etwa die direkte
Ansprache.

4.

Empfehlung für das weitere Vorgehen

Insgesamt wurden mit der Verwendung und der Akzeptanz des Gendersterns von den
Projektbeteiligten überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Der Genderstern hat sich als
geeignete Möglichkeit herausgestellt, um geschlechtlicher Vielfalt auch sprachlich Ausdruck
zu verleihen.
Die Verwaltung will die Anwendung des Gendersterns als eine Option ermöglichen. Dazu
sollen die aktuellen Regelungen der Stadt Karlsruhe zu geschlechtergerechter Sprache
weiterentwickelt werden und in ein Kompendium mit Empfehlungen für die Ansprache
unterschiedlicher Zielgruppen münden. Ziel ist eine umfassende wertschätzende
Kommunikation, die allen Menschen respektvoll begegnet.