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TOP 4 - Stellungnahme Schutz bei Hochwasser und Starkregen

                                    
                                        Stellungnahme zum Antrag
Schutz bei Hochwasser und Starkregen in Durlach
SPD-OR-Fraktion
eingegangen am: 27.10.2021

Vorlage Nr.: 2021/0004
Verantwortlich: Dez. 6
Dienststelle: TBA

Gremium

Termin

TOP

ö

nö

Ortschaftsrat Durlach

19.01.2022

4

☒

☐

Kurzfassung
Insgesamt ist Durlach vor Hochwasser- und Starkregenereignissen gut geschützt. Auf
außergewöhnliche Ereignisse, die die Leistungsfähigkeit des technischen Hochwasserschutzes und der
Kanalisation übersteigen, ist die Verwaltung mit Alarm- und Einsatzplänen vorbereitet. Für die Zukunft
ist aber das Risikomanagement zu verfeinern. Die Unterhaltung und Überprüfung der Anlagen und
Einsatzplanungen bleibt eine ständige Aufgabe, um das bestehende Niveau zu halten oder sogar zu
verbessern.

Finanzielle
Auswirkungen
Ja ☐

Gesamtkosten
der Maßnahme

Einzahlungen | Erträge
(Zuschüsse und
Ähnliches)

Jährliche laufende Belastung
(Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten
abzüglich Folgeerträge und Folgeeinsparungen)

Nein ☒

Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden
Ja
☐
Nein
☐ Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen:
☐ Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik)
☐ Umschichtungen innerhalb des Dezernates
☐ Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den
Folgejahren zu.

Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier

CO2-Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz
Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen)

Nein ☐

Ja ☐

positiv ☐
negativ ☐

IQ-relevant

Nein ☐

Ja

☐

Korridorthema

Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO)

Nein ☐

Ja

☐

durchgeführt am

Abstimmung mit städtischen Gesellschaften

Nein ☐

Ja

☐

abgestimmt mit

geringfügig ☐
erheblich
☐

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Ihre Anfrage möchten wir wie folgt nur kurz beantworten, da das Tiefbauamt eine ausführliche
Information über Hochwasser und Starkregen im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung plant.
Hierbei wird es auch Gelegenheit geben Fragen der Bürger direkt und persönlich zu beantworten.

Auswirkungen von Starkregen auf die Durlacher Kanalisation (Simulation); Darstellung der
Folgen, wenn die Kanalisation “überläuft“
Das Karlsruher Kanalsystem ist entsprechend den gültigen Normen und gemäß den gesetzlichen
Vorgaben sowie Richtlinien bemessen und mit Hilfe langfristiger Konzepte ausgelegt. Zusätzlich
wurden in Karlsruhe bereits über viele Jahre zusätzliche Maßnahmen umgesetzt zum Schutz und zur
Vorsorge gegen Starkregen und vor Hochwasser. Grundsätzlich kann ein Kanalnetz aus
wirtschaftlichen Gründen und auch aufgrund der Grenzen des technisch Machbaren nicht für jedes
Regenereignis ausgelegt werden. Bei Wetterextremen, wie den Starkregenereignissen, wird daher von
einer Risikobetrachtung und Abwägung im Rahmen des Katastrophenschutzes gesprochen. Dabei ist
zwischen den Gebieten in der Ebene, wie zum Beispiel der Altstadt und den Hanggebieten, wie zum
Beispiel Geigersberg, zu unterscheiden. In den Hanggebieten wurden eine Vielzahl von Geröllfängen
und Einläufen zur Verbesserung des Schutzes vor wild abfließendem Oberflächenwasser aus den
Außengebieten errichtet. In der Ebene können sich in den Vertiefungen und Senken kurzzeitig größere
Wassermengen ansammeln. Wenn diese Senken im öffentlichen Verkehrsraum liegen, kann dies bei
Ereignissen über der Bemessung dazu führen, dass die bestehenden Entwässerungseinrichtungen der
Straße (Sinkkästen) dieses Wasser kurzzeitig nicht aufnehmen können. Der Straßenraum kann dann als
temporärer Speicherraum dienen, bis das Wasser über die Entwässerungseinrichtungen abgeleitet
werden kann. Dies ist in den letzten Jahren beispielsweise im Ortskern von Durlach Aue (Bereich
Grazer Straße) aufgetreten. Durch Beratung und Vorgaben in den Bau- und
Entwässerungsgenehmigungen werden Bauherren frühzeitig auf die Gefahren vor Starkregen und die
Möglichkeiten der privaten Vorsorge und dem Objektschutz hingewiesen.

Überblick darüber, wie Gebäude auf Durlacher Gemarkung geschützt sind und noch besser
geschützt werden können
Der Schutz vor Starkregen und die Risikoanalyse sind immer Einzelfallbetrachtungen und lassen sich
nicht vereinfacht in einem Überblick darstellen. Als erste Grundlage für die weiteren Bewertungen
können Starkregengefahrenkarten dienen. Darauf aufbauend sind dann weitere Analysen erforderlich.
Hier bereitet die Verwaltung derzeit ein Konzept vor, wie ein flächendeckendes
Starkregenrisikomanagement für das ganze Stadtgebiet umgesetzt werden kann.

Überblick über die Funktionsfähigkeit der Durlacher Rückhaltebecken und deren
regelmäßige Kontrolle
Im Stadtteil Durlach gibt es die beiden Hochwasserrückhaltebecken Rittnert und B 3/Durlach Aue, das
offene Regenwasserrückhaltebecken an der Mastweide und den Retentionsraum Oberwald. Die
unterschiedlichen Bezeichnungen leiten sich aus dem unterschiedlichen wasserrechtlichen Status ab.
Die prinzipielle Funktion, Wasser zurückzuhalten bevor es Schaden verursacht, ist bei allen gleich. Die
Funktionsfähigkeit der Becken hat sich nicht nur bei den vergangenen Hochwasser- und
Starkregenereignissen gezeigt, sondern wird auch rechnerisch durch alle zehn bis zwanzig Jahre
stattfindende vertiefte Sicherheitsüberprüfungen bei den Hochwasserrückhaltebecken
beziehungsweise bei den Überprüfungen nach den Entwässerungsregelwerken bei den
Regenrückhaltebecken nachgewiesen.

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Die Becken werden alle zwei Jahre im Rahmen einer Beckenschau, zu der auch das Stadtamt Durlach
geladen wird, zusammen mit den anderen Fachbehörden kontrolliert. Eventuelle Mängel werden
protokolliert und die Behebung wird durch die Wasserbehörde überwacht. Daneben finden jährliche
Kontrollen durch das Tiefbauamt statt. Außerdem werden vor, während und nach einem
Starkregen/Hochwasser die Becken überprüft und überwacht. Diese wichtige Aufgabe wird zusätzlich
durch ausgebildete lokale Stauwärter unterstützt, die wöchentlich die Hochwasserrückhaltebecken
kontrollieren.

Warnsystem vor Hochwasser
Das Tiefbauamt bekommt bereits im Vorfeld eines Hochwassers Warnungen eines Wetterdienstes mit
den Niederschlagsprognosen. Diese werden bewertet und unterschiedliche Maßnahmen ergriffen.
Diese können von der Rufbereitschaft eines Mitarbeiters bis zur Einrichtung eines 24/7
Schichtbetriebes reichen. Daneben unterhält auch der Kanalbetrieb eine ständige Rufbereitschaft, um
auf Starkregenereignisse vorbereitet zu sein. Im Ereignisfall wird die Einsatzleitung des Tiefbauamtes
über eine Vielzahl automatischer Pegel über die Wasserstände informiert. Dieser Informationsfluss
sowie ein Teil der Kommunikation wird über das landesweite System FLIWAS abgewickelt, bei dessen
Entwicklung die Stadt Karlsruhe seit Jahren beteiligt ist.

Auswirkungen auf Grundstücke in der Nähe der Gewässer und in Hanglagen
Die Gemarkung Durlach ist durch Flusshochwasser wenig gefährdet. Durch den Pfinzentlastungskanal
besteht an der Pfinz in Durlach keine Hochwassergefahr. Der Pfinzentlastungskanal ist im Bereich
Durlach ausreichend dimensioniert. Die von ihm ausgehende Gefährdung wird zurzeit bei einer
Überarbeitung der Hochwasser-gefahrenkarte neu ermittelt. Am Dürrbach und am Tiefentalgraben
schützen die Rückhaltebecken vor einem 100-jährlichen Hochwasser.
Wie im ersten Punkt aufgeführt, wurden in den letzten Jahren an vielen Gefahrenpunkten in den
Hanglagen Geröllfänge und Einläufe umgebaut beziehungsweise neu hergestellt, um das wild
abfließende Hangwasser aus den Außengebieten besser fassen und gezielt ableiten zu können.

Möglicher Rückstau aus der Karlsruher Kanalisation
Das Kanalnetz zählt zur allgemeinen Infrastruktur, daher siehe nachfolgende Ausführung.
Grundsätzlich kann das Kanalnetz in Karlsruhe als sehr leistungsfähig betrachtet werden. Aus den
bisherigen Erfahrungen hat es sich gezeigt, dass sich eine Gefährdung vorrangig daraus ergibt, dass
anfallendes Oberflächenwasser bei außergewöhnlichen Ereignissen temporär einstaut und erst
verzögert abfließen kann. Schäden durch Rückstau aus dem Kanalnetz (Wasser im Keller) entstehen
häufig über die privaten Entwässerungseinrichtungen und aufgrund fehlender Rückstausicherungen.
Dies ist in der Verantwortung jedes einzelnen Bürgers. Das Tiefbauamt informiert und berät dazu
regelmäßig.

Auswirkungen auf die Versorgung mit Strom, Gas und Trinkwasser
Die Auswirkungen von Extremereignissen auf die allgemeine Infrastruktur, zu denen auch die
Versorgung der Stadtwerke zählt, ist Teil des Katastrophenschutzes und des Risikomanagements. Für
den Extremfall „Starkregen“ sollen diese Betrachtungen gemeinsam mit den zuständigen Behörden
erfolgen und mit dem Konzept für das Starkregenrisikomanagement erarbeitet werden.

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Erforderliche Investitionen zur Verbesserung des Schutzes vor Hochwasser
Durlach ist vor Flusshochwasser gut geschützt. In diesem Bereich sind keine zusätzlichen Investitionen
erforderlich. Viel wichtiger ist es hier die Funktionsfähigkeit und die Kontrolle in dem heutigen
Standard zu erhalten, um im Ereignisfall nicht nur schnell und kompetent reagieren zu können,
sondern sich auch auf die technischen Anlagen verlassen zu können.
Die Erarbeitung eines stadtweiten Starkregenrisikomanagements bedarf finanzieller Mittel für die
erforderlichen Ingenieurleistungen. Inwieweit sich aus den Ergebnissen weiterer Investitionsbedarf für
zusätzliche Maßnahmen ergibt, lässt sich heute nicht abschätzen. Grundsätzlich ist Karlsruhe im
Vergleich zu anderen Regionen, auch aufgrund der vielen umgesetzten Maßnahmen zum Schutz und
zur Vorsorge vor Starkregen und Hochwasser, bereits heute vergleichsweise gut aufgestellt.