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                                        Stadt Karlsruhe
OV Neureut

BESCHLUSSVORLAGE

Vorlage Nr.:

22/2019

Verantwortlich:

OV Neureut

Flächenhaftes Naturdenkmal „Sandrasen am Grünen Weg“

Beratungsfolge dieser Vorlage
Gremium

Termin

Ortschaftsrat

26.11.2019

AUG/Naturschutzbeirat

26.11.2019

Geinderat

10.12.2019

TOP

ö

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Ergebnis

x
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Beschlussantrag

Der Ortschaftsrat Neureut nimmt den Entwurf der unteren Naturschutzbehörde zur Abgrenzung
und Unterschutzstellung des flächenhaften Naturdenkmals „Sandrasen am Grünen Weg“ in
Neureut-Heide zur Kenntnis und stimmt dem Erlass der Schutzgebietsverordnung zu. Weiter
stimmt der Ortschaftsrat zu, dass noch Änderungen, welche nicht wesentlicher Art sind, vorgenommen werden können. Auf die Vorlage samt Anlagen wird verwiesen.

Finanzielle Auswirkungen

Gesamtkosten der Maßnahme

Ja

Noch keine Angaben

Nein

Einzahlungen/Erträge
(Zuschüsse u. Ä.)

Jährliche laufende Belastung (Folgekosten
mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen)

vorliegend
Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden
Ja
Nein
Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen:
Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik)
Umschichtungen innerhalb des Dezernates
Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den
Folgejahren zu
IQ-relevant

X

Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO)
Abstimmung mit städtischen Gesellschaften

Nein
Nein

X

Nein

X

Ja

Korridorthema:

Ja

durchgeführt am: 26.11.2019

Ja

abgestimmt mit

Stadt Karlsruhe
Der Oberbürgermeister

Vorlage Nr.:

BESCHLUSSVORLAGE

Verantwortlich:

Dez. 1

Flächenhaftes Naturdenkmal "Sandrasen am Grünen Weg"

Beratungsfolge dieser Vorlage
Gremium

Termin

TOP

AUG/Naturschutzbeirat

26.11.2019

Gemeinderat

10.12.2019

ö

nö

Ergebnis

x
x

Beschlussantrag

Der Gemeinderat nimmt nach Behandlung im Ortschaftsrat Neureut sowie Vorberatung im Ausschuss für Umwelt und Gesundheit und im Naturschutzbeirat den Entwurf der unteren Naturschutzbehörde zur Abgrenzung und Unterschutzstellung des flächenhaften Naturdenkmals
„Sandrasen am Grünen Weg“ in Neureut-Heide zur Kenntnis und stimmt dem Erlass der
Schutzgebietsverordnung zu. Weiter stimmt der Gemeinderat zu, dass noch Änderungen, welche nicht wesentlicher Art sind, vorgenommen werden können.

Finanzielle Auswirkungen
Ja

Gesamtkosten der Maßnahme

Einzahlungen/Erträge
(Zuschüsse u. Ä.)

Jährliche laufende Belastung (Folgekosten
mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen)

Nein

Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden
Ja
Nein
Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen:
Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik)
Umschichtungen innerhalb des Dezernates
Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den
Folgejahren zu
IQ-relevant

Nein

x

Ja

Korridorthema: Grüne Stadt

Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO)

Nein

x

Ja

durchgeführt am 26.11.2019 (OR Neureut)

Abstimmung mit städtischen Gesellschaften

Nein

x

Ja

abgestimmt mit SWK, VBK

Ergänzende Erläuterungen

Seite 2

I. Hintergrund
Die untere Naturschutzbehörde plant die Neuausweisung verschiedener flächenhafter Naturdenkmale (FND) nach § 28 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und § 30 Naturschutzgesetz
Baden-Württemberg (NatSchG BW). Über dieses Instrument können Flächen bis zu einer Größe
von fünf Hektar geschützt werden. Damit soll die bisherige Gebietskulisse mit den seit den 90er
Jahren existierenden FND „Brurain-Kolbengarten“ in Knielingen, „Auf dem Lerchenberg – Im
Rosengärtle“ und „Steinbruch Schollenacker“ in Durlach ergänzt werden. In einem ersten
Schritt wurde das FND „Sandgrube Grüner Weg – West“ zwischen Grüner Weg und Goldregenweg in Neureut-Heide umgesetzt und mit Verordnung vom 20.05.2019 (Amtsblatt vom
24.05.2019) unter Schutz gestellt. Als weiterer Baustein zum Schutz der Neureuter Feldflur sollen im nächsten Schritt die nördlich des Grünen Wegs gelegenen Flächen als FND „Sandrasen
am Grünen Weg“ unter Schutz gestellt werden.

II. Schutzgegenstand
Das 5 ha große, landläufig als „Toskana“ bekannte Gebiet wird im Nordwesten von der Straße
„Alte Bahnlinie“ und im Nordosten von der Wohnbebauung von Neureut-Heide begrenzt. Im
Südosten schließt das Gebiet bis über die Straße „Grüner Weg“ an das neu ausgewiesene FND
„Sandgrube Grüner Weg – West“ an. Im Südwesten grenzt es an Gartengrundstücke. Auf der
Fläche hat sich nach Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung auf natürliche Weise ein fachlich wertvolles Mosaik verschiedener Biotope und Vegetationsbestände mitsamt der daran angepassten Fauna entwickelt. Teilweise sind die Flächen als geschützte Biotope nach dem
BNatSchG einzustufen. Besonders hervorzuheben sind die Sand- und Sandmagerrasen, die zugleich einen geschützten Lebensraumtyp im Sinne der Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie darstellen. Nähere Ausführungen können der beigefügten fachlichen Würdigung entnommen werden.
Die Fläche ist im aktuellen Flächennutzungsplan 2010 teilweise als geplante Grünfläche sowie
als Landwirtschaftsfläche dargestellt, ferner verläuft hier noch die alte Freihaltetrasse der Nordtangentenplanung. Im Landschaftsplan wird das Gebiet noch als überwiegend grünstrukturreiche Ackerflur verzeichnet. Im Rahmen der aktuellen Fortschreibung des Flächennutzungs- und
Landschaftsplans 2030 soll dies entsprechend angepasst werden. Das Gebiet ist überwiegend in
städtischem Eigentum. Es gliedert sich in zahlreiche schmale Handtuchgrundstücke, von denen
14 in Privateigentum stehen und die als „Ackerland“ im Liegenschaftskataster dargestellt sind.
Im Südteil des Gebiets besteht eine größere privat genutzte Gartenanlage.
Die geplanten Regelungen umfassen einen Katalog von Ge- und Verboten, durch den u.a. das
Betreten und das Laufenlassen von Hunden, das Ablagern von (Garten-)Abfällen, das Einbringen
oder Entnehmen von Pflanzen oder die Nutzung von Luftsportgeräten, wie Drohnen, beschränkt werden. Näheres kann dem beigefügten Verordnungstext unter § 4 entnommen werden. Aufgrund der Lage am Siedlungsrand herrscht ein großer Freizeit- und Nutzungsdruck auf
der Fläche. Neben den teilweise repressiven Vorschriften der Verordnung sollen daher vor allem
auch gezielte Maßnahmen zur Aufklärung und Akzeptanzförderung und abgestimmt mit der
Gesamtkonzeption des Projekts „Meine Grüne Stadt“ ergriffen werden. Mit Blick auf die starke
Frequentierung, insbesondere durch Hundehalter, ist geplant, die Besucherströme durch einen
(bereits bestehenden) Querungsweg zu kanalisieren, dafür die anderen Bereiche aber zu beruhigen.

Ergänzende Erläuterungen

Seite 3

III. Verfahren
Zur Unterschutzstellung bedarf es eines förmlichen Rechtsverordnungsverfahrens nach § 24
NatSchG BW. Die Entscheidung über die Unterschutzstellung obliegt dem Oberbürgermeister
als Leiter der unteren Naturschutzbehörde. Der Gemeinderat ist im Rahmen der Anhörung der
Gemeinde zu beteiligen.
a) Anhörung Träger öffentlicher Belange
Die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange (TÖB) erfolgte zwischen dem 24.05. und
24.06.2019. Es wurden von den TÖB keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Planung vorgetragen:
 Seitens der Naturschutzverbände gingen insbesondere Hinweise und Anregungen zur Pflege
und Akzeptanzförderung der Unterschutzstellung (insbesondere hinsichtlich der Nutzung
durch Hundehalter) ein. Diese Hinweise sollen im Zuge der Pflegekonzeption für das Gebiet
berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang ist eine nochmalige Beteiligung aller Akteure geplant. Angesprochen wurde auch eine örtliche Kindertagesstätte, welche die Fläche
bisher zum Teil für Aktivitäten nutzt. Mit dieser steht die Naturschutzverwaltung aktuell im
Kontakt um zu klären, welche naturpädagogischen Maßnahmen auf der Fläche zukünftig
durchgeführt werden können.
 Sowohl von Verbänden, wie auch städtischen Dienststellen und Gesellschaften wurde die
zukünftige Nutzung und Ausgestaltung des Grünen Wegs thematisiert. Der Grüne Weg ist
derzeit nicht gewidmet und verläuft als beleuchteter Asphaltweg über zahlreiche Privatgrundstücke. Die Funktion als Verbindungsweg für Geh- und Radverkehr sowie zur (baurechtlichen) Erschließung der anliegenden Grundstücke soll erhalten bleiben. Diskussionswürdig ist aber die Frage der zukünftigen baulichen Qualität des Wegs. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist eine Ausgestaltung mit wassergebundener Decke ohne Beleuchtung vorzugswürdig. Der Verordnungsentwurf enthält daher eine Bestandsschutzklausel für die Nutzung
in der derzeitigen Form über die Ausgestaltung findet mit Blick auf eine zukünftig notwendige Instandsetzung aber noch eine Abstimmung statt.
 Aufgrund der Einlassungen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe wurde eine Klausel zugunsten der
geplanten Verlängerung der Straßenbahnlinie von Neureut-Heide nach Neureut-Kirchfeld
über die Straße „Alte Bahnlinie“ in die Verordnung aufgenommen. Soweit trotz eingriffsoptimierter Planung eine Inanspruchnahme geringfügiger Flächenanteile im Norden des
Schutzgebiets für die Straßenbahn erforderlich werden sollte, stünde die Verordnung dem
nicht entgegen.
 Das städtische Liegenschaftsamt weist darauf hin, dass mit der weiteren Ausweisung von
Schutzgebietsflächen die Überwachung durch die Feldhut ressourcenbedingt ein Problem
darstellt.
 Das städtische Gartenbauamt hatte angeregt, das vorgesehene ganzjährige Betretungsverbot
abzumildern und auf die für die Vogelbrut kritischen Zeiten im Frühjahr/Sommer zu beschränken. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist allerdings ein ganzjähriger Schutz sinnvoll, da
die Flächen ganzjährig ornithologisch bedeutsam sind und nicht nur Brutvögel, sondern auch
Durchzügler und Nahrungsgäste auf Ruhezonen angewiesen sind.
b) Öffentlichkeitsbeteiligung
Die Öffentlichkeitsbeteiligung erfolgte durch öffentliche Auslegung des Verordnungsentwurfs
und der Karten zwischen dem 09.09. und dem 09.10.2019. Zudem wurden die Eigentümerinnen und Eigentümer der betroffenen Grundstücke schriftlich informiert.
Im Verfahren ging eine Einwendung einer betroffenen Grundstückseigentümerin ein. Sie wendet sich gegen das Schutzgebiet, weil sie weitgehende Nutzungsmöglichkeiten des Grundstücks
in der Zukunft auch für Angehörige bewahren möchte. Es ist geplant, die Einwendung zurück-

Ergänzende Erläuterungen

Seite 4

zuweisen. Die Einschränkungen durch das Schutzgebiet ist eine zulässige Inhalts- und Schrankenbestimmung im Rahmen der Sozialpflichtigkeit des Eigentums (vgl. Art. 14 Abs. 1 S. 1 und
Abs. 2 Grundgesetz). Das Interesse an uneingeschränkter privater Nutzbarkeit in Zukunft, z.B.
potentielle wirtschaftliche Nutzungsinteressen, treten dahinter zurück, insbesondere da die
Grundstücke im Gebiet im baurechtlichen Außenbereich nach § 35 Baugesetzbuch (BauGB)
liegen und bereits jetzt sowohl im aktuellen als auch im zukünftigen Flächennutzungsplan keine
bauliche Entwicklung zulassen.
Mit Blick auf eine einheitliche Entwicklung des Schutzgebiets und der nicht sinnvoll einzeln zu
bewirtschaftenden Grundstückszuschnitte hat die Stadt den Privateigentümern zudem den Erwerb ihrer Flächen zum aktuellen Verkehrswert angeboten. Mehrere Betroffene haben Verkaufsabsicht geäußert. Der Fortgang der Erwerbsverhandlungen bleibt abzuwarten, zumal sich
diese aufgrund der zersplitterten Eigentumsverhältnisse mit zum Teil umfangreichen Erbengemeinschaften als schwierig darstellen.
Bezüglich weiterer Nutzungen auf der Fläche ist anzumerken, dass bauliche und (klein- oder
freizeit)gärtnerische Nutzungen rückgebaut werden sollen. Mit den Nutzerinnen und Nutzern
wurde teilweise bereits Kontakt aufgenommen und es laufen Gespräche für einen geordneten
Rückbau in angemessener Frist, der mit öffentlich-rechtlichem Vertrag gesichert werden soll.

IV. Ausblick
Nach der Anhörung des Gemeinderats ist die abschließende Abwägung über die im Verfahren
eingegangenen Anregungen und Bedenken durch die untere Naturschutzbehörde vorzunehmen. Im Anschluss wird die Verordnung vom Oberbürgermeister ausgefertigt und öffentlich
bekannt gemacht. Sie tritt dann nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft. Der Abschluss des
Verfahrens ist zum Jahresende 2019 bzw. Beginn 2020 vorgesehen.
Die weitere Planung für die sonstigen Schutzgebiete wird derzeit verwaltungsintern abgestimmt. Hierüber wird voraussichtlich Anfang 2020 ein näherer Bericht erfolgen.

Anlagen
- Anlage 1: Schutzgebietskarte (Entwurf)
- Anlage 2: Verordnungstext (Entwurf)
- Anlage 3: Fachliche Würdigung (Entwurf)
- Anlage 4: Geplanter Betretungskorridor (Entwurf)

Ergänzende Erläuterungen

Seite 5

Beschluss:
I.

Antrag an den Gemeinderat
Der Gemeinderat nimmt nach Behandlung im Ortschaftsrat Neureut sowie Vorberatung im
Ausschuss für Umwelt und Gesundheit und im Naturschutzbeirat den Entwurf der unteren
Naturschutzbehörde zur Abgrenzung und Unterschutzstellung des flächenhaften Naturdenkmals „Sandrasen am Grünen Weg“ in Neureut-Heide zur Kenntnis und stimmt dem
Erlass der Schutzgebietsverordnung zu. Weiter stimmt der Gemeinderat zu, dass noch Änderungen, welche nicht wesentlicher Art sind, vorgenommen werden können.

II.

Auf die Tagesordnung der Sitzung des AUG/Naturschutzbeirats am 26.11.2019 und des
Gemeinderats am 10.12.2019.

III.

Übersendung der Vorlage an die Mitglieder des Gemeinderates | Ausschusses.

IV. Z. d. A.
Dienststelle

Datum

Unterschrift

Dez. 1
Dez. 2
Dez. 3
Dez. 4
Dez. 5
Dez. 6
LA
UA
GBA
STPLA
OV Neureut
ZJD
Sachbearbeitung

Herr Bantz Az: 364.234.007
Tel. R 3041
(nur für die interne Bearbeitung)

G:\ZJD\Naturschutz\Naturdenkmale\C_Neuausweisung\Neuauswe flächhaf ND\FND Sandrasen am Grünen Weg\Gremien\GR
10.12.2019_FND_Sandrasen Grüner Weg_Vorlage.docx

Anlage 1

Anlage zur Verordnung vom ... ... ......

Diese Karte ist Bestandteil der Verordnung.
Sie wird hiermit ausgefertigt.

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Karlsruhe, den ... ... ......
Dr. Frank Mentrup Oberbürgermeister

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"Sandrasen am Grünen Weg"

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Stadt Karlsruhe | Gemarkung Neureut

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Entwurf

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Flächenhaftes Naturdenkmal

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ALK-Flurstück mit Nummer

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a
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Stand März 2019

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Meter

GIS-Bearbeitung und Kartografie:
Stadt Karlsruhe - Umwelt- und Arbeitsschutz

Anlage 2
Verordnungsentwurf
der Stadt Karlsruhe als untere Naturschutzbehörde
über das flächenhafte Naturdenkmal
"Sandrasen am Grünen Weg"
(Stand: 22.10.2019)

Auf Grund der §§ 22 und 28 des Gesetzes über Naturschutz und Landschaftspflege
(Bundesnaturschutzgesetzes - BNatSchG) vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542) zuletzt geändert durch Artikel 8 des Gesetzes vom 13. Mai 2019 (BGBl. I S. 706) sowie
des § 23 Abs. 5 und § 30 des Gesetzes des Landes Baden-Württemberg zum Schutze der Natur und zur Pflege der Landschaft (Naturschutzgesetz Baden-Württemberg
- NatSchG BW) vom 23. Juni 2015 (GBl. S. 585) zuletzt geändert durch Artikel 1 des
Gesetzes vom 21. November 2017 (GBl. S. 597, ber. S 643, ber. 2018, S. 4) wird
verordnet:
§1
Erklärung zum flächenhaften Naturdenkmal
Die in § 2 dieser Verordnung näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt
Karlsruhe wird zum flächenhaften Naturdenkmal erklärt. Das flächenhafte Naturdenkmal führt die Bezeichnung „Sandrasen am Grünen Weg“.
§2
Schutzgegenstand
(1) Das flächenhafte Naturdenkmal hat eine Größe von 5,0 ha.
(2) Es umfasst auf Gemarkung Karlsruhe im Stadtteil Neureut – Heide die Flst.-Nr.
401/1 (teilweise), 424, 425, 426/1, 426/2, 427, 428, 429, 429/4, 429/5, 430, 431,
432, 433, 434. 435, 436, 437, 438, 439, 440, 441, 442, 443, 444, 445/1, 445/2,
446/1, 446/2, 447,447/2, 447/3, 448, 450, 452, 453/1, 458, 458/1, 459, 460, 460,
461, 462 und 463/1. Es wird im Wesentlichen begrenzt durch den Grünen Weg
und die Grenze zu den Flst.-Nr. 7965 und 429/3 im Südosten, die Grenze zu den
Flst.-Nr. 421, 421/2, 421/3 und 421/4 im Nordosten, die Grenze Straße Alte
Bahnlinie und Flst.-Nr. 5670 im Nordwesten sowie die Grenze zu Flst.-Nr. 464/2
im Südwesten.

(3) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 :
10.000 und in einer Detailkarte im Maßstab 1 : 1.500 eingetragen. Die Karten
sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird bei der Stadt
Karlsruhe, Zentraler Juristischer Dienst, untere Naturschutzbehörde, Rathaus am
Marktplatz, auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Amtsblatt für den Stadtkreis Karlsruhe, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden öffentlich ausgelegt.
(4) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei der in Absatz
3 bezeichneten Stelle zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der
Dienststunden niedergelegt.
§3
Schutzzweck
Wesentlicher Schutzzweck des flächenhaften Naturdenkmals ist
1. die Erhaltung der an trockene und nährstoffarme Standorte angepasste Sandrasen und Sandmagerrasen mit seltenen und gefährdeten, für die Eigenart
des Naturraums bedeutsamen Pflanzenarten, insbesondere des Lebensraumtyps Nr. 2330 „Dünen mit offenen Grasflächen mit Corynephorus und Agrostis“ der Richtlinie 92/42/EWG (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie),
2. die Erhaltung eiszeitlich entstandener Flugsanddecken aufgrund der erd- und
landschaftsgeschichtlichen Bedeutung,
3. die Erhaltung der trockenen und kurzrasigen Freiflächen im Zusammenspiel
mit halboffenen Flächen mit einzelnen Gehölzbeständen und Hecken als Lebensraum verschiedener Vogelarten,
4. die Erhaltung und Förderung der Biotopverbundfunktionen, insbesondere im
Zusammenhang mit dem Naturschutzgebiet „Alter Flugplatz Karlsruhe“ für die
Arten der Sand- und Sandmagerrasen der Vogel- und Insektenarten sowie der
Lebensraumtypen der Richtlinie 92/42/EWG (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie)
im Biotopverbund Karlsruhe und
5. die Erhaltung des typischen, durch markante Kiefern und Eichen geprägten
Landschaftsbilds.

§4
Verbote
(1) Die Beseitigung des flächenhaften Naturdenkmals ist verboten. Darüber hinaus
sind in dem flächenhaften Naturdenkmal alle Handlungen verboten, die zu einer
Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturdenkmals oder seiner
Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der
wissenschaftlichen Forschung führen können.
(2) Insbesondere ist in dem flächenhaften Naturdenkmal verboten:
1. das Gebiet außerhalb des von der Naturschutzbehörde durch Begrenzung ausgewiesenen Sandpfades zu betreten sowie mit Fahrrädern oder sonstigen Fahrzeugen zu befahren,
2. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen jeglicher Art zu befahren,
3. Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der
Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen,
4. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu
verlegen oder Anlagen zu verändern,
5. Abgrabungen oder Auffüllungen vorzunehmen sowie Bodenbestandteile zu entnehmen oder die Bodengestalt in sonstiger Weise zu verändern,
6. Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern,
7. Abfälle, insbesondere Gartenabfälle und tierische Exkremente einzubringen, zu
lagern oder zu entsorgen,
8. sonstige Gegenstände zu lagern,
9. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen,
10. Pflanzen, sowie Pflanzenteile oder Samen einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
11. Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten, oder Puppen, Larven, Eier sowie Nester oder sonstige Fortpflanzungs- und Ruhestätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören,
12. die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern, insbesondere Gärten anzulegen,
13. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen,

14. Feuer anzumachen, Feuerstellen einzurichten oder Feuerwerk abzubrennen,
15. Lärm, Erschütterungen oder Luftverunreinigungen zu verursachen,
16. Düngemittel oder chemische Mitteln zur Bekämpfung von Schadorganismen
und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von
Pflanzen beeinflussen, zu verwenden,
17. Hunde sowie andere Haus- und Nutztiere im Gebiet laufen zu lassen, ausgenommen hiervon ist das eng angeleinte Mitführen von Hunden auf dem von der
Naturschutzbehörde durch Begrenzung ausgewiesenen Sandpfad,
18. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere Luftsportgeräte, Drachen,
Flugmodelle oder unbemannte Luftfahrtsysteme (Drohnen) zu starten, zu landen oder das Gebiet mit diesen zu überfliegen.

§5
Zulässige Handlungen
§ 4 gilt nicht
1. für die ordnungsgemäße und rechtmäßige Grundstücksnutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, soweit sie nicht gemäß § 4 nachträglich eingeschränkt wird,
2. für die ordnungsgemäß ausgeübte landwirtschaftliche Nutzung im Sinne der
bestehenden Extensivierungen mit der Maßgabe, dass
a) bestehendes Grünland nicht umgebrochen oder auf sonstige Weise beseitigt
werden darf,
b) keine Düngemittel oder chemische Mitteln zur Bekämpfung von Schadorganismen und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen, verwendet werden dürfen,
3. für die ordnungsgemäße Nutzung und Instandhaltung des Wegs „Grüner Weg“
als Geh- und Radwegverbindung sowie zur Erschließung der rechtmäßig genutzten Grundstücke einschließlich zugehöriger Infrastruktureinrichtungen, ausgenommen hiervon sind Aus- und Umbauten und Erweiterungen,
4. für die Nutzung bestehender Wege im Gebiet, soweit die Nutzung für die ordnungsgemäße Erschließung von anliegenden rechtmäßig genutzten Grundstücke unabdingbar ist,

5. für die geringfügige Inanspruchnahme von Flächen entlang der westlichen
Schutzgebietsgrenze zugunsten der von den Verkehrsbetrieben Karlsruhe
GmbH geplanten Verlängerung der Straßenbahnlinie von Neureut-Heide nach
Neureut-Kirchfeld, sofern dies unter Berücksichtigung des Gebots der Eingriffsminimierung und sonstiger naturschutzrechtlicher Erfordernisse im dortigen
Genehmigungsverfahren erforderlich ist,
6. für die von der Jagdbehörde angeordnete oder zugelassene Jagdausübung,
7. für Pflegemaßnahmen, die von der unteren Naturschutzbehörde oder der von
ihr beauftragten Stellen im Einzelfall oder durch einen Pflegeplan angeordnet
werden,
8. für mit der unteren Naturschutzbehörde abgestimmte naturpädagogische oder
naturwissenschaftliche Projekte,
9. für die zeitlich begrenzte Ausübung der mittels öffentlich-rechtlichem Vertrag
befristet geduldeten Gartennutzung im Südteil des Gebiets auf den Flst.-Nr.
444, 445/1, 445/2, 446/1, 446/2, 447, 447/2, 447/3, 448, 450, 452 und 453/1 in
der bisherigen Art und im bisherigen Umfang,
10. für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.
§6
Schutz- und Pflegemaßnahmen
Schutz- und Pflegemaßnahmen werden von der unteren Naturschutzbehörde durch
Einzelanordnung und/oder durch einen Pflegeplan festgelegt.
§7
Befreiung
Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 67 Bundesnaturschutzgesetz
i.V.m. § 54 Naturschutzgesetz Baden-Württemberg durch die untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§8
Ordnungswidrigkeiten
Ordnungswidrig im Sinne des § 69 Abs. 8 Bundesnaturschutzgesetz i.V.m. § 69 Abs.
1 Nr. 2 Naturschutzgesetz Baden-Württemberg handelt, wer in dem flächenhaften
Naturdenkmal vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlung vornimmt.
§9
Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt am Tag nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

Karlsruhe, den

Dr. Frank Mentrup
Oberbürgermeister

Verkündungshinweis:
Gemäß § 25 Abs. 1 NatSchG BW vom 23. Juni 2015 (GBl. S. 585) ist eine Verletzung der in § 24 NatSchG BW genannten Verfahrens- und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach Verkündung der Verordnung schriftlich bei der Stadt Karlsruhe, Zentraler Juristischer Dienst, untere Naturschutzbehörde, Rathaus am Marktplatz, 76133 Karlsruhe geltend gemacht wird. Der Sachverhalt,
der die Verletzung begründen soll, ist hierbei darzulegen.
Stadt Karlsruhe
Zentraler Juristischer Dienst
Untere Naturschutzbehörde

Anlage 3

Stadt Karlsruhe, 76124 Karlsruhe, Umwelt- und Arbeitsschutz

Stadt Karlsruhe | Umwelt- und Arbeitsschutz
Markgrafenstraße 14, 76131 Karlsruhe
Sachbearbeitung: Ulrike Rohde
Telefon: 0721 133-3120
Fax: 0721 133-3109
E-Mail: umwelt-arbeitsschutz@karlsruhe.de
Haltestelle: Kronenplatz
14. Mai 2019

Würdigung für das flächenhafte Naturdenkmal
„Sandrasen am Grünen Weg“
1. Lage, Geologie, Naturraum, Pedologie und Hydrologie
Das flächenhafte Naturdenkmal (FND)„Sandrasen am Grünen Weg“ liegt in Karlsruhe
Neureut - Heide. Begrenzt wird das kleine Schutzgebiet im Nordwesten von der Straße
„Alte Bahnlinie“, im Nordosten von der Wohnbebauung von Neureut-Heide, im Südosten
reicht das Gebiet bis über die Straße „Grüner Weg“ zum FND „Sandgrube Grüner Weg –
West“ und im Südwesten grenzt es an Gartengrundstücke. Nach Westen und Süden
besteht eine unmittelbare Anbindung an das geplante Landschaftsschutzgebiet „Neureuter
Feldflur“.
Das Gebiet ist Bestandteil des Naturraumes „Hardtebenen“ in der Untereinheit „Karlsruher
Hardt“ und somit des sich in Baden - Württemberg von Rheinmünster bis zur Landesgrenze
bei Viernheim erstreckenden Sandbandes. Hier finden sich weitere Sandfelder, teilweise
vom Rhein, teilweise vom Wind ab- und umgelagert. An Barrieren sind die Sande tw. zu
Dünen aufgehäuft. Bei Karlsruhe sind die Sande weitestgehend entkalkt.
Das Schutzgebiet liegt auf der pleistozänen Niederterrasse des Rheins. Diese besteht aus
ursprünglich kalkhaltigen fluviatilen Sanden und Kiesen. Die Niederterrassensedimente sind
teilweise von Flugsand überdeckt, der während der letzten Eiszeit in Form von
Flugsanddecken abgelagert wurde.

Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier

Die ursprünglich kalkhaltigen Sande und Kiese wurden im Zuge der Bodenbildung ein bis
mehrere Meter tief entkalkt. Als Bodentypen sind vor allem Bänderparabraunerde, in geringerem Umfang auch podsolige Braunerde ausgebildet.
Karlsruhe ist mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,3 °C eine der wärmsten Städte
Deutschlands. Die Lage im Oberrheingraben hat zur Folge, dass in Karlsruhe im Sommer
oft eine drückende Schwüle herrscht. In austauscharmen, sommerlichen
Hochdruckwetterlagen besitzt das Schutzgebiet eine hohe Bedeutung für die
Kaltluftproduktion. Durch die ausgleichende Wirkung auf den Tagesgang der
Lufttemperatur trägt das Gebiet zur Verbesserung des Lokalklimas bei.

–2–

Die hohe Wasserdurchlässigkeit und Störungsempfindlichkeit des Sandes erschwert die
Bodenentwicklung, so dass auch im Bereich der „Sandrasen am Grünen Weg“, die in
Teilen immer wieder erheblichem Tritt und anderen mechanischen Störungen ausgesetzt
sind, große Flächen mit Sandrohboden, andere mit ganz geringer Humusbildung
vorhanden sind.
2. Derzeitige Nutzung und Schutzgebietskonzeption
Im Schutzgebiet hat sich nach Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung durch natürliche
Sukzession ein Mosaik verschiedener Sandbiotope entwickelt. Die Vegetation besteht zu
knapp der Hälfte aus Sandrasen, geringere Flächenanteile nehmen Sandmagerrasen und
Ruderalvegetation trockenwarmer Standorte ein. Eingestreut sind einzelne Gehölzbestände
mit teils sehr markanten alten Kiefern (Pinus sylvestris) und Trauben-Eichen (Quercus
petraea), an der nordwestlichen Gebietsgrenze erstreckt sich eine alte Feldhecke.
Das ehemals ackerbaulich genutzte Gebiet ist seit einigen Jahren aus der regulären
Nutzung entnommen und wird zumindest teilweise als Kompensationsmaßnahme einmal
jährlich gemäht oder gemulcht. Vor allem für die Bevölkerung der umliegenden
Wohngebiete ist das Schutzgebiet ein wichtiges Naherholungsgebiet. Durch das Gebiet
führen ein unbefestigter Sandweg und wenige Trampelpfade.
3. Schutzwürdigkeit
Geschützte Biotoptypen
Im flächenhaften Naturdenkmal „Sandrasen am Grünen Weg“ kommen drei nach § 30
BNatSchG oder § 33 NatSchG geschützte Biotoptypen vor. Es handelt sich dabei um
Feldhecken und mehrere Bestände von Sand- und Sandmagerrasen.
Sand- und Sandmagerrasen auf Flugsanddecken entsprechen zugleich dem Flora-FaunaHabitat (FFH)-Lebensraumtyp [2330] „Dünen mit offenen Grasflächen mit Corynephorus
und Agrostis“. Dies trifft auf einen großen Teil der Bestände an Sand- und
Sandmagerrasen im Gebiet zu.
Die geschützten Biotoptypen und FFH-Lebensräume nehmen über die Hälfte der Fläche des
FND ein. Prägend sind die Sand- und Sandmagerrasen. Sie sind von besonderer naturschutzfachlicher Bedeutung als Lebensraum für eine sandspezifische Flora und Fauna. Die
Vorkommen von Sand- und Sandmagerrasen sind in Südwestdeutschland auf die Nördliche
Oberrheinebene beschränkt. Bebauung und Intensivierung der landwirtschaftlichen
Nutzung haben in den letzten Jahrzehnten einen starken Rückgang ihrer Fläche bewirkt.
Sie zählen daher zu den in Baden-Württemberg stark gefährdeten Biotoptypen.
Im Gebiet zählen die Bestände der Sandrasen zum Vegetationstyp der KleinschmielenRasen. Sie werden hauptsächlich von einjährigen Arten aufgebaut, die an kalkfreie und vor
allem offene Sandböden gebunden sind. Die Bestände zeichnen sich durch das
Vorkommen vieler gefährdeter Arten aus. Auch in den bereits in der Sukzession weiter
fortgeschrittenen Sandmagerrasen sind regelmäßig Arten der Sandrasen beigemischt.

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Flora
Mit dem kleinräumigen Mosaik verschiedener Biotoptypen bietet das Gebiet zahlreichen
Pflanzenarten Lebensraum. Von hoher Bedeutung sind die für Baden-Württemberg gefährdeten oder schonungsbedürftigen Arten der Sand- und Sandmagerrasen. Sie kommen teils
in sehr hoher Individuenzahl vor. Dies gilt vor allem für Frühen Schmielenhafer (Aira
praecox), Kleines Filzkraut (Filago minima), Berg-Sandrapunzel (Jasione montana), Mäusewicke (Ornithopus perpusillus), Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis) und Trespen-Federschwingel (Vulpia bromoides).
Besonders hervorzuheben ist das sehr seltene Kahle Ferkelkraut (Hypochaeris glabra). Die
Art ist in Baden-Württemberg stark gefährdet. Sie kommt vor allem in den Sandgebieten
des nördlichen Oberrheingebiets vor und besitzt eine hohe Bedeutung für die Eigenart des
Naturraums.
Avifauna
Die offene bis halboffene Landschaft des flächenhaften Naturdenkmals wird von vielen
Vogelarten als Lebensraum genutzt. Unter den Brutvögeln kommen neben weit
verbreiteten Arten auch Vogelarten mit rückläufigen Bestandeszahlen wie beispielsweise
der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) vor.
Die Feldhecken und Gestrüppe sind für zahlreiche Vogelarten als Lebensraum von
Bedeutung, beispielsweise für Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) und Nachtigall (Luscinia
megarhynchos). Bei ausreichendem Dornenanteil und geringem Anteil von Bäumen
werden sie auch vom Neuntöter (Larius collurio) genutzt, der im Gebiet als Durchzügler
beobachtet wurde.
Weitere, auch seltene und gefährdete Arten können aufgrund der besonderen
Standortverhältnisse als Nahrungsgäste oder Rastvögel erwartet werden. Es ist davon
auszugehen, dass die kurzrasigen offenen Flächen für das in Baden-Württemberg vom
Aussterben bedrohte Braunkehlchen (Saxicola rubetra) oder für die stark gefährdeten Arten
Wiesenpieper (Anthus pratensis) und Baumpiper (Anthus triivialis) attraktiv sind. Die Arten
wurden im benachbarten Gelände (geplantes Landschaftsschutzgebiet „Neureuter
Feldflur“) beziehungsweise dem nahe gelegenen Naturschutzgebiet „Alter Flugplatz
Karlsruhe“ beobachtet (REMKE 2016). Weiterhin können Brachpieper (Anthus campestris)
und Heidelerche (Lullula arborea) als Rastvögel erwartet werden.
4. Biotopverbund
Etwa 800 m vom flächenhaften Naturdenkmal entfernt befindet sich das
Naturschutzgebiet (NSG) „Alter Flugplatz Karlsruhe“, dessen Sand- und Magerrasen zu den
bedeutendsten der Oberrheinebene gehören. In diesem Zusammenhang nehmen die Sandund Sandmagerrasen des FND eine wichtige Rolle für den regionalen Biotopverbund ein.
Zusammen mit dem geplanten Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Neureuter Feldflur“, das
zukünftig zwischen dem NSG und dem FND liegen soll, wird eine Anbindung an,
beziehungsweise die Funktion als Trittstein zu den anschließenden Offenbereichen
außerhalb des Stadtgebiets geschaffen. Die Sand- und Sandmagerrasen des flächenhaften
Naturdenkmals bilden daher wichtige Verbindungsstrukturen zu benachbarten

–4–
Sandbiotopen, wie sie beispielsweise auf Brachflächen zwischen Neureut-Kirchfeld und
dem Rosenhof oder bei Eggenstein zu finden sind und gewährleisten damit den Austausch
zwischen den Teilpopulationen.
Ebenfalls von Bedeutung ist das Schutzgebiet für den Verbund von Lebensräumen der
Avifauna. Aufgrund ähnlicher Standortbedingungen des Gebiets und der angrenzenden
Flächen, die zur Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet vorgesehen sind, ist davon
auszugehen, dass zwischen den Gebieten enge ökologische Wechselbeziehungen
bestehen. Gemeinsam können diese Schutzgebiete daher zur Stabilisierung der
Populationen von Vogelarten, insbesondere derjenigen des Naturschutzgebietes „Alter
Flugplatz Karlsruhe“ bei.
5. Schutzbedürftigkeit
Für die Erhaltung der wertvollen Sandbiotope sind regelmäßige Pflegemaßnahmen und
Besucherlenkungsmaßnahmen erforderlich. Durch ein Zuwachsen der offenen Fläche
würde sich zudem die Attraktivität als Naherholungsraum verringern. Mit einer
Unterschutzstellung des Gebiets kann die erforderliche Pflege in Form von Mahd und
Gehölzpflege dauerhaft gewährleistet werden. Auch eine Beweidung der Flächen wäre
möglich.
Große Bedeutung für den Fortbestand der wertvollen Fläche wird der Besucherlenkung
zukommen. Vollkommen ungeregelt wird das Gebiet derzeit für unterschiedlichste
Nutzungen von Erholungsuchenden aufgesucht, wobei die vorhandenen
Schutzgegenstände eine hohe Störempfindlichkeit aufweisen. Eine große Bedeutung spielt
hierbei das freie Laufenlassen von Hunden sowie das Fliegenlassen von Drohnen. Während
den Erholungsuchenden zukünftig ein Sandpfad angeboten werden soll, um die Querung
des schönen Gebietes, aber auch die Wahrnehmung der besonderen Atmosphäre zu
ermöglichen, sollen Flugobjekte inkl. Drohnen zum Schutz der Avifauna komplett aus dem
Gebiet verbannt werden. Auch der ungeregelten Garten- und Freizeitnutzung wird durch
die Unterschutzstellung entgegengewirkt.
6. Schutzzweck
Der Schutzzweck des flächenhaften Naturdenkmals „Sandrasen am Grünen Weg“ ist die
Erhaltung und Sicherung der


Arten- und Biotopvielfalt, insbesondere der an trockene und nährstoffarme
Standorte angepassten Sand- und Sandmagerrasen mit seltenen und gefährdeten,
für die Eigenart des Naturraums bedeutsamen Pflanzenarten,



eiszeitlich entstandenen Flugsanddecken als erd- und landschaftsgeschichtliches
Dokument,



trockenen und kurzrasigen Freiflächen als Lebensraum für Vogelarten,



Biotopverbundfunktionen zum Naturschutzgebiet „Alter Flugplatz
Karlsruhe“, insbesondere der Stabilisierung der Populationen von Arten der Sandund Sand- magerrasen, der Avifauna sowie der FFH-Lebensräume,

–5–


typischen, durch markante Kiefern und Eichen geprägten Landschaftsbilder.

Im Sinne des Korridorthemas „Meine Grüne Stadt Karlsruhe“ und dem sich hieraus
entwickelten Projekt „Landschaftsschutz am Heidesee“ sind naturpädagogische Projekte
für alle Altersstufen in dem flächenhafte Naturdenkmal zu unterstützen, sofern eine
Beeinträchtigung der ökologischen Gegebenheiten und der Schutzgegenstände vermieden
werden kann. Die Förderung der Akzeptanz naturschutzfachlich wichtiger Aktivitäten ist
ein ausgesprochenes Ziel dieses Schutzgebietes in unmittelbarer Siedlungsnähe.
7. Besondere Verbote
Durch die Ausweisung des flächenhaften Naturdenkmals „Sandrasen am Grünen Weg“
soll der weiteren Zustandsverschlechterung des Gebietes Einhalt geboten werden.
Folgende Regelungen erscheinen erforderlich. Untersagt sollte insbesondere sein:











Eingriffe in die geomorphologische Struktur, insbesondere auch Bautätigkeiten
jeglicher Art,
die Entnahme von Sand,
die Änderung der Bodengestalt durch Auffüllungen, Abgrabungen, o.ä.,
die Abfallentsorgung, insbesondere Ablagerung von Gartenabfällen, wegen des
damit verbundenen problematischen Nährstoffeintrages und der Gefahr der
Verschleppung von Gartenpflanzen in die freie Landschaft,
sonstige Nährstoffeinträge, u.a. durch Hundekot,
die Bodenversiegelungen oder -verfestigungen, wie z.B. das Anlegen oder
Etablieren von Wegen und Pfaden,
das Errichten baulicher Anlagen, wie Hütten oder Zäune etc.
die Entnahme von Pflanzen und Tieren außerhalb behördlich angeordneter oder
durchgeführter Pflegemaßnahmen,
das Betreten des Schutzgebietes außerhalb der ausgewiesenen Sandpfade,
das Fliegenlassen von Drohnen oder anderen Flugobjekten.

8. Pflege, Entwicklung, Information und Naturschutzbildung
Als am Stadtrand gelegenes Schutzgebiet ist die Vegetation des flächenhaften
Naturdenkmals „Sandrasen am Grünen Weg“ durch menschliche Nutzung stark geprägt.
Um den Zustand des als Wuchsort und Lebensstätte für spezialisierte, seltene Pflanzen und
Tiere hochwertigen Gebietes zu erhalten, die Funktion als Trittsteinbiotop zu optimieren
und um die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung zu fördern, werden Pflege- und
Erhaltungsmaßnahmen erforderlich. Dies sind z.B.:




Verhindern der Verbuschung der offenen Sand- und Magerrasen durch
Gehölzentfernung,
Entfernung nicht standortheimischer Gehölze oder Neophyten wie z.B. der
Amerikanischen Traubenkirsche (Prunus serotina) oder der Robinie (Robinia
pseudoacacia),
Öffnen der Vegetationsdecke durch Mahd und / oder gelegentliche punktuelle
manuelle Störung,

–6–



Entfernen anthropogener Störungen wie Gartenabfälle und
Verhinderung der weiteren ungenehmigten Aneignung der Flächen für gärtnerische
Nutzungen.

Mai 2019, Umwelt- und Arbeitsschutz auf der Grundlage und tw. wörtlich übernommen
von WIEST 2016
9. Literatur und Quellen:
MÜHLBERGER, M. 2004: Grünlandkartierung im Regierungsbezirk Karlsruhe, Stadt Karlsruhe.
Unveröff. Gutachten im Auftrag der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege.
2004
BREUNIG, TH. & C. WIEST 2016: Naturschutzfachliche Grundlagen für eine
Unterschutzstellung der „Neureuter Feldflur“ in Karlsruhe. Unveröff. Gutachten im Auftrag
der Stadt Karlsruhe, Umwelt- und Arbeitsschutz. 2016
REMKE, P. unter Mitarbeit von A. ARNOLD & M. KRAMER 2016: Artenschutzrechtliche Prüfung zum Bebauungsplan „Zukunft Nord“. Unveröff. Gutachten des Instituts für Botanik
und Landschaftskunde im Auftrag der Stadt Karlsruhe. Entwurfsfassung vom 28. Oktober.
2016
WIEST 2016: Würdigung des geplanten flächenhaften Naturdenkmals „Unterfeld bei
Neureut“. Unveröff. Gutachten des Instituts für Botanik und Landschaftskunde im Auftrag
der Stadt Karlsruhe. 2016

Anlage 4

±

Betretungskorridor

Stadt Karlsruhe
Umwelt- und Arbeitsschutz
FND "Sandrasen Grüner Weg-West",
Maßstab:
1:2.000

Gemarkung:
Karlsruhe-Neureut

Bearbeiter/in:
Ulrike Rohde
Dieser Plan wurde über die "Geodaten-Auskunft Karlsruhe" erstellt.
Er darf ohne Erlaubnis nicht vervielfältigt werden.
Änderungen und Einträge sind deutlich als solche kenntlich zu machen.

Datum:
20.05.2019