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Antrag

                                    
                                        Stadt Karlsruhe
Der Oberbürgermeister

Vorlage Nr.:

ANTRAG

2019/0801

DIE LINKE.-Gemeinderatsfraktion
Der Marktplatz wird Projektfeld - Bürger*innen gestalten ihre Stadt

Gremium

Termin

TOP

ö

Gemeinderat

22.10.2019

31

x

nö

Der Gemeinderat beschließt:
Ein klar definierter Bereich des Karlsruher Marktplatzes wird für temporäre Projekte zur Verfügung gestellt.
Auf dieser Fläche können Bürger*innen Konzepte zur Gestaltung ihrer Stadt entwickeln und
umsetzen.
Beschreibung:
1. Auf dem Boden des Marktplatzes wird ein “Projektfeld” gekennzeichnet. Der Bereich
für den Markt bleibt davon unberührt.
2. Initiativen aus der Stadtgesellschaft können sich mit ihren Nutzungsideen bewerben. Voraussetzung ist, dass das Projekt nicht kommerziell und der Eingriff reversibel ist. Insbesondere Jugendliche sollen eingeladen werden.
3. Für die Auswahl wird ein Kuratorium aus Jugendlichen gebildet.
4. Nach Ablauf eines festgesetzten Zeitraums (z.B. einem Monat) wird ein Projekt wieder
abgebaut, um Raum zu schaffen für das Nächste. Bei anderweitigem Bedarf, etwa für
den Weihnachtsmarkt, wird das Projektfeld nicht vergeben.
Begründung:
Die aktuelle Diskussion um die neue Gestaltung des Marktplatzes zeigt deutlich, dass die Stadtverwaltung ohne ernsthafte Einbeziehung der Karlsruher Bevölkerung geplant und mit den Umbaumaßnahmen begonnen hat. Die Reaktionen und die Kritik sind mehr als deutlich.
Die Gestaltung der Stadt ist ein gemeinschaftlicher Prozess, in den auch die Bürger*innen eingebunden sein sollten. Die Freigabe einer Projektfläche stellt niedrigschwellig und ergebnisoffen
Raum für engagierte Bürger*innen zur Verfügung. Aber auch alle anderen, ob Passant*innen
oder Einwohner*innen werden eingeladen, darüber zu diskutieren, wie sie sich ihre Stadt vorstellen und wie Beteiligungsformen aussehen können. Die Projektfläche ist ein Angebot, um in
eine Diskussion zu kommen: wie kann Stadt entstehen, was ist dabei wichtig? Der Platz erhält
Laborcharakter, indem Möglichkeiten erprobt werden: Ob Urban Gardening, Skateranlage oder
Diskussionsforum, - von der Freilichtbühne über einen Skulpturenpark bis zur Liegewiese. Zentrales Anliegen ist die Frage, wie der Kreis der Beteiligten bei der Gestaltung städtischen Lebens
erweitert werden kann. Damit können auch Anstöße für Stadtplanung im Allgemeinen gewonnen werden.
Mit dem Pilotprojekt sollen, wenn auch nicht nur, besonders junge Menschen angesprochen
werden. Gerade für Jugendliche eröffnet sich so ein Raum, an dem sie Selbstwirksamkeit erleben können. Außerdem sammeln sie mit der Projektorganisation und Durchführung wichtige

Ergänzende Erläuterungen

Seite 2

Erfahrungen. Dabei können sie sich als Expert*innen für jugendfreundliche Städte einbringen.
Interessante Beispiele für eine gelungene Partizipation hat etwa das Forschungsprogramm
Jugend.Stadt.Labor des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung evaluiert.
Der Marktplatz bildet historisch den Platz der bürgerlichen Selbstverwaltung, gerade in der
ehemaligen Residenzstadt Karlsruhe. Die direkte Beteiligung trägt dem in besonderer Weise
Rechnung. An zentraler Stelle bekennt die Stadt ihr Interesse an einer engen Einbindung ihrer
Bewohner*innen, deren Wünsche und Ideen. So wird auch ein Identifikationsangebot geschaffen.
Der Marktplatz erhält einen neuen Anziehungspunkt. Insgesamt wird der bisher als bloße Fläche
erlebte Raum um ein Aufenthaltsangebot bereichert. Davon profitiert auch die Fußgängerzone.
An dieser zentralen Stelle kann erlebbar werden, dass Stadt ein gestaltbarer Raum ist, an deren
Entwicklung sich Jede und Jeder beteiligen kann.

unterzeichnet von:
Mathilde Göttel
Karin Binder
Lukas Bimmerle