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Protokoll TOP 9

                                    
                                        NIEDERSCHRIFT
Stadt Karlsruhe

Gremium:
Termin:
Ort:
Vorsitzende/r:

30. Plenarsitzung Gemeinderat
25. Oktober 2016, 15:30 Uhr
öffentlich
Bürgersaal des Rathauses
Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup

11.

Punkt 9 der Tagesordnung: Einführung eines Bio-Anteils von 25 % an allen
städtischen Schulen, Kitas und Horten mit Mittagessensangebot
Antrag der Stadträtinnen und Stadträte Dr. Ute Leidig, Johannes Honné, Renate
Rastätter und Zoe Mayer (GRÜNE) sowie der GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom
23. August 2016
Vorlage: 2016/0516

Beschluss:
Einverstanden mit der Stellungnahme der Verwaltung.

Abstimmungsergebnis:
mehrheitlich zugestimmt

Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 9 zur Behandlung auf.
Stadträtin Rastätter (GRÜNE): Wir bedanken uns sehr herzlich für die Antwort der
Stadtverwaltung auf unseren Antrag. Uns Grünen liegt eine gesunde und nachhaltige
Schul-, Kita- und Hortverpflegung sehr am Herzen. Wir sehen dies als gute Möglichkeit
in Karlsruhe, auch mit einer nachhaltigen Schulverpflegung das Ernährungsbewusstsein
und das Ernährungsverhalten von Kindern positiv zu beeinflussen und damit ihrer gesundheitlichen Entwicklung jetzt auch Rechnung zu tragen. Die positive Beantwortung
zeigt uns, dass Sie dem Anliegen als Stadtverwaltung auch sehr positiv gegenüberstehen. Wir sind mit der Vorgehensweise, wie es in der Antwort steht, auch voll einverstanden.
Ich möchte nur auf ein paar Punkte in der Beantwortung noch kurz eingehen. Das eine
ist, dass wir nicht nur die kommunalen Ziele mit dieser Einführung einer nachhaltigen
Kita- und Schulverpflegung gut erfüllen, sondern dass auch der neue Bildungsplan in
Baden-Württemberg unter den fünf Leitprinzipien das Thema Nachhaltigkeit hat, d. h.
also, aus landespolitischer und pädagogischer Sicht ist die Einführung einer nachhaltigen Schul- und Kitaverpflegung mit 25 % Bioanteil als Einstieg sehr zu unterstützen.
Den Punkt 2, die Motivationskampagne, halten wir für eine wichtige Angelegenheit. Sie
sagen auch, dass Sie diese durchführen wollen. Ich möchte auf das Beispiel der Stadt

-2Heidelberg verweisen, die gerade im Zusammenhang mit der Einführung einer nachhaltigen Schul- und Kitaverpflegung eine sehr umfangreiche Motivationskampagne durchgeführt haben, so dass wir uns bedanken, dass dieses auch in Karlsruhe vorgesehen
wird. Was bei Punkt 2 für uns ganz wichtig ist, dass es sich um eine kostenneutrale Einführung handelt. Die Gebühren für das Schulessen sind übrigens gegen unsere Stimmen auch erhöht worden. Es ist absolut unzumutbar, dass die Eltern noch höhere Gebühren für das Schulessen zahlen müssen. Wir können auch davon ausgehen, dass dies
durch eine geschickte Küchenplanung auch erreicht werden kann, dass es kostenneutral erfolgen soll. Wie Sie selber schreiben ist es möglich, dass die Caterer dann tatsächlich die Produkte auswählen, die für sie am einfachsten umzusetzen sind mit der kostenneutralen Vorgabe.
Ein weiterer Punkt, dass die Vorgehensweise mit einem Workshop erfolgt, ist eine sehr
gute Vorgehensweise, so dass alle Eltern, Schulen und die Öffentlichkeit mit eingebunden werden. Das halten wir für ein sehr gutes Signal. Abschließend möchte ich noch
sagen, dass wir sehr viel Wert darauf legen, dass diese Evaluation durchgeführt wird,
denn eines ist ganz wichtig: Es muss ein Spagat hergestellt werden zwischen dem gesunden und nachhaltigen Essen, dem gutschmeckenden Essen, aber auch den Wünschen der Schülerinnen und Schüler. Das muss auch zusammenkommen, denn am Ende
nützt es uns nichts, wenn wir etwas einführen, mit der in der Perspektive die Kinder
nicht einverstanden sind.
Eine wichtige Sache möchte ich noch betonen. Die Entwicklung der Landwirtschaft in
Baden-Württemberg wird durch die Einführung von Essen an Schulen und Kitas in den
Städten, auch in Karlsruhe, positiv beeinflusst. Wir haben immer noch eine bäuerliche
Landwirtschaft in Baden-Württemberg im Gegensatz zu anderen Bundesländern. Wir
haben Betriebe, die sehr gut für die Umstellung geeignet sind. Baden-Württemberg
kann nur durch qualitativ hochwertige Produkte in der Konkurrenz in der Landwirtschaft bestehen. Also auch hier können wir einen Beitrag leisten, dass wir eine Landwirtschaft in Baden-Württemberg haben, die naturnah ist, die die Artenvielfalt unterstützt, die auch eine wunderschöne Kulturlandschaft bietet. Dies können wir auch mit
beeinflussen, indem wir eben verstärkt Bio-Produkte verwenden, im Einstieg jetzt hier
auch bei der Stadtverwaltung, bei den Schulen und bei den Kitas. Vielen Dank nochmal
für die positive Antwort. Wir freuen uns auf die Umsetzung.
Stadträtin Meier-Augenstein (CDU): Wir haben über das Thema hier im Haus schon
öfter gesprochen, auch in den Ausschüssen. Wir waren uns auch einig, als wir das letzte
Mal an dieser Stelle diskutiert haben, dass wir den Anteil an biologisch produzierten
Lebensmitteln in unseren Mahlzeiten erhöhen wollen. Wir haben uns hier aber auch
ganz klar dafür ausgesprochen und dazu bekannt, dass wir regionale Produkte einsetzen wollen, dass eben auch die saisonalen Gegebenheiten eine große Rolle spielen, dass
es nicht halt ein Produkt wirklich das ganze Jahr über gibt, sondern dann, wenn hier die
Saison ist. Gerade dann können wir natürlich auch die regionalen Produkte gezielt einsetzen. Deswegen haben wir uns jetzt gewundert, weshalb dieser Antrag heute erneut
eingebracht ist und die Grüne-Fraktion noch einmal explizit diese 25 % niederschreiben
möchte, weil wir eigentlich der Meinung waren, wir sind hier auf einem guten Weg.

-3Grundsätzlich möchte ich auch für meine Fraktion sagen, dass es uns sehr wichtig ist,
dass wir ein warmes Mittagessen in unseren Einrichtungen anbieten können, und dass
wir möglichst allen Kindern die Möglichkeit geben, daran teilzunehmen. Da wird nun
eben viel über den Preis gesteuert. Wir haben uns jetzt für eine Erhöhung entschieden.
Die fällt uns persönlich in der Fraktion überhaupt nicht leicht, weil wir einfach mit vier
Euro an einer Oberkante liegen, wo wir meinen, mehr geht nicht, weil wir dann, auch
wenn es gut gemeint ist, ein gesundes und nachhaltiges Essen anzubieten, doch im
Konkurrenzdruck stehen zu der Dönerbude ums Eck oder halt die Fertigpizza, die in den
Ofen geschoben wird, bei den größeren Schulkindern. Deswegen ist für uns einfach
auch wichtig, ob eine weitere Umsetzung, was den biologischen Anteil anbelangt, ohne
eine weitere Kostensteigerung möglich ist. Da haben wir, ehrlich gesagt, unsere Zweifel.
Ich habe mir heute mal den Essensplan in unserem Schülerhort genauer unter die Lupe
genommen. Da ist schon die Vorgabe oder die Empfehlung der DGE im Endeffekt umgesetzt. Es gibt maximal zwei Mal in der Woche Fleisch. In der nächsten Woche gibt es
dann einmal Fleisch und einmal Fisch. Aus meiner Sicht gibt es gar keine Möglichkeit,
noch einmal über einen höheren biologischen Anteil, z. B. an der Fleischkomponente zu
kürzen, zumal dann auch in einer Woche z. B. Schupfnudeln mit Apfelmus angeboten
wird und die Kürbissuppe mit Brot. Da sehe ich jetzt überhaupt keine Möglichkeit, wie
man da vom Wareneinsatz her noch weiter reduzieren könnte. Ich möchte damit sagen,
dass es uns einfach wichtig ist, dass wir auch diesen Kostenfaktor für die Eltern im Blick
behalten, einfach um die Akzeptanz dafür zu bekommen.
Deswegen wäre unser Vorschlag, dass wir vielleicht mal von der Verwaltung eine Modellrechnung vorgelegt bekommen, ob denn das möglich wäre oder ob wir vielleicht
sogar einfach mal für die einzelnen Einrichtungen unter städtischer Trägerschaft aufgelistet bekommen, wer ist denn jeweils der Essenslieferant und welche Anteile sind in
seinen Lebensmitteln auch enthalten. Ich kenne nämlich z. B. einen Anbieter hier in
Karlsruhe, der die Schülerhorte oder auch Kitas beliefert, der biozertifiziert ist. Auf der
Homepage von dieser Vitalen Lunchbox heißt es nämlich, dass in Kooperation mit den
Landwirten aus der Region derzeit ein Anteil von 70 % an Bioware in unserem gesamten Schulspeiseplan erreicht wird, also noch deutlich mehr. Deshalb auch die Frage, haben wir das vielleicht sogar schon erreicht an vielen Stellen und wissen es nicht. Wir
sollten uns noch einmal intensiv damit befassen. Wichtig für uns ist der Kostenpunkt,
dass die Elternbeiträge nicht steigen, dass aber auch die Zuschüsse seitens der Stadt im
bisherigen Rahmen gehalten werden können.
Stadträtin Moser (SPD): Wie Frau Meier-Augenstein schon gesagt hat, haben wir uns
schon im April in der Gemeinderatssitzung mit der nachhaltigen Essensverpflegung bei
der Stadt, was die Schulen, Kitas und Horte angeht, befasst. Es wurde eine Konzeption
vorgelegt, die sehr positiv von uns aufgenommen wurde. Konsequenterweise haben die
Grünen meiner Meinung nach den Antrag gestellt, die Einführung eines Bioanteils von
25 % bei der Mittagsverpflegung aufzunehmen. Den Antrag begrüßen wir sehr. Ein
25%iger Bioanteil in Kombination mit saisonalen und regionalen Produkten ist eine Bereicherung bei der Mittagsverpflegung. Alle daran teilnehmenden Kinder profitieren
davon. Sie kann auch Einfluss nehmen auf die Ernährungsgewohnheiten der Kinder, die
sich hoffentlich im späteren Alter auch bemerkbar macht. Durch geschickte Kombinati-

-4on in der Speisenfolge kann eine Kostensteigerung vermieden werden, was zur Akzeptanz der Eltern beitragen wird und kann, hoffe ich sehr.
Der begleitend angebotene Workshop zum Thema „Veränderte Verpflegung für Anbieter“, der auch Eltern und Stadtschülerrat offensteht, ist begrüßenswert und sinnvoll.
Eine Information zur Motivationskampagne in der Einführungsphase ist unerlässlich. So
können alle Beteiligten für das Thema sensibilisiert werden. Auch der Erfahrungsaustausch zur Evaluierung ist notwendig, um die Einhaltung der Kriterien zu überprüfen.
Ebenso ist der fachliche Austausch mit anderen Kommunen meiner Meinung nach sinnvoll, um Informationen zu erhalten und Handlungsweisen und Tun anderer Kommunen
kennenzulernen. Renate Rastätter hat sich vorhin schon bei der Verwaltung für die tolle
Vorlage bedankt. Das möchte ich auch für unsere Fraktion tun. Wir stimmen allen Punkten zu.
Stadtrat Wohlfeil (KULT): Du bist, was du isst. Wir wollen, dass unsere Kinder gesund
sind, also sollen sie sich auch gesund ernähren. Das Auseinandersetzen mit einer gesunden und nachhaltigen Ernährung ist auch pädagogisch wertvoll. Die Verwaltung
empfiehlt dem Gemeinderat, den Anträgen zuzustimmen. Das lesen wir ja nicht oft.
Mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen.
Stadtrat Jooß (FDP): Natürlich auch wir, nicht nur die Grünen, wollen gesunde Ernährung. Es muss nicht nur Bio sein. Es gibt auch was anderes, es gibt Konventionelles.
Immer und immer wieder dieselbe Schallplatte wie bei Niko Fostiropoulos, so auch die
Grünen mit ihrer Beglückungsinitiative mit Bio, vegetarisch oder vegan. Als Einstiegsquote wollen die Grünen 25 %, oder ist es doch eine Biodroge, die bei 100 % enden
soll? Die ist zwar unschädlich, aber doch erheblich teurer, was auch die Antwort der
Stadtverwaltung deutlich bestätigt. Wenn Sie die Antwort gelesen haben, kommt es
dort deutlich heraus. Dies durch Abstriche bei den „Normalessern“ zu kompensieren
halten wir schlicht für eine Unverschämtheit. Diese Mischkalkulation, diese Milchmädchenrechnung, die uns vorgegaukelt werden soll, geht übrigens absolut in keiner Weise
auf. Man sieht wieder bei unseren Grünen: Ökologie gut, Ökonomie unbefriedigend.
Sie sollen sich lieber bei ihrer Finanzministerin in Stuttgart Nachhilfeunterricht geben
lassen. Wir wollen freie Wahl zwischen Bio und konventionell, und das zu einem marktgerechten Preis, wie es vorhin schon gesagt wurde von Frau Meier-Augenstein. Wir
wollen auch die Quote festlegen lassen durch Angebot und Nachfrage und nicht mit
25 %.
Die Grünen-Aktion ist übrigens eine Diffamierung und Unterstellung aller konventionellen Erzeuger. Dass Normalesser, sogar Fleischfresser, wie mein Kollege hier, länger und
lang leben können, zeigt die Anzahl vieler Älteren. Wir Freien Demokraten setzen auf
Vernunft und Freiheit und nicht auf grüne Essensdiktatur und Regulierung. Davon haben wir leider schon viel zu viel. Daher können wir dem Grünen-Antrag nicht zustimmen.
Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Zunächst möchte ich mal festhalten, Bio ist keine Garantie dafür, dass dieses Nahrungsmittel auch gesund ist. Es ist so, dass viele Substanzen,
die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt sind, durch Kupferverbindungen
ersetzt werden in der Bio-Landwirtschaft, was dazu führt, dass einige dieser Nahrungs-

-5mittel viel zu stark mit Kupferverbindungen belastet sind. Also Bio ist nicht gleich gesund. Kostenneutralität durch Optimierung: Da muss ich fragen, wird bisher etwa nicht
optimiert? Dann wäre das allerdings ein Problem, weil diese Optimierung hat mit dem
Einsatz von Bio-Nahrungsmitteln überhaupt nichts zu tun. Also muss man da ganz klar
trennen. Optimierung erwarte ich sowieso. Warum erwarte ich als Vater einer Tochter,
die im Hort zu Mittag isst, Optimierung? Weil ich erwarte, dass es schmeckt. Es muss
den Kindern schmecken. Das ist das Allerwichtigste. Meine Tochter kann ihre Hausaufgaben nicht vernünftig machen, wenn sie nicht vernünftig zu Mittag gegessen hat. Das
soll sie im Hort. Sie soll nachmittags ihre Hausaufgaben machen. Wenn sie nach Hause
kommt und ihre Mutter fragt sie, was war los, dann sagt sie, mir das das Mittagessen
nicht geschmeckt. Das passiert leider relativ häufig. Da muss ich nur eines sagen. Wenn
wir Kosten sparen, geht es zu Lasten des Geschmacks. Wenn wir Quoten einführen,
wenn wir z. B. Bioquoten einführen, geht es auch zu Lasten des Geschmacks, weil dann
weniger Geld übrig ist um dafür zu sorgen, dass das Essenangebot wirklich ansprechend ist und gut schmeckt. Für mich als Vater ist entscheidend, dass es den Kindern
gut schmeckt. Nur dann werden sie es essen, und nur dann können sie vernünftig
nachmittags Hausaufgaben und später Sport machen. Das ist das, was für mich als Vater im Zentrum steht. Was die anderen Leute hier am grünen Tisch dazu meinen, bleibt
denen benommen. Mir als Vater ist es wichtig, dass es schmeckt. Deswegen bin ich gegen diese Quotenregelung. Also bitte nicht außer Acht lassen, dass es den Kindern auch
noch schmecken muss.
Was ich allerdings sehe, wir hätten schon ziemlich Bedarf an der Stelle bei der Verpflegung der Kinder, etwas zu verbessern. Da wäre den Kindern insgesamt viel mehr geholfen, dass wir auch bei der Verlässlichen Grundschule es ermöglichen, dass die Kinder
am Mittagessen teilnehmen. Im Moment ist es so, dass Verlässliche Grundschule bedeutet, die Kinder sind über Mittag da, werden danach am frühen Nachmittag von ihren
Eltern abgeholt und haben aber nichts zu essen im Bauch. Ich finde, das ist ein viel
wichtigerer Punkt, den wir angehen müssten, dass auch diese Kinder mit einem vernünftigen Mittagessen versorgt werden. Wenn wir das schaffen würden, wäre der Gesundheit unserer Kinder insgesamt viel mehr geholfen als durch die Einführung immer
neuer populistischer Quoten.
Stadtrat Fostiropoulos (Die Linke): Es ist schon interessant, dass die Freien Demokraten die Freiheit immer darin sehen, wenn es darum geht, mal über Qualität für Kinder,
für Schülerinnen und Schüler zu sprechen. Sie haben sich schon fast mal versprochen,
dass sie die Schulpflicht bei uns aufheben wollen, weil das dann die absolute Freiheit
wäre. Ich finde es immer sehr jämmerlich hier zu hören, wenn jemand Vorschläge
bringt, irgendeine Qualität anzuheben, dass dann einmal die Kosteneffizienz eingebracht wird oder die Entscheidungsfreiheit. Es sind immer die gleichen Argumente.
Richtig ist: Bio ist nicht automatisch gesund. Es kann zu salzig sein, zu fettig sein. Es
kann alles Mögliche darin enthalten sein. Aber dennoch muss es doch unser Wunsch
sein, dass wir uns bemühen, eine Landwirtschaft zu bekommen, die weggeht von dem,
was sie im Moment macht, sondern eine Verbesserung. Es sollte doch nicht das Geld im
Mittelpunkt stehen, wenn es darum geht, Heranwachsenden ein gutes, ein gesundes
Essen anzubieten. Schmecken muss es sehr wohl, sonst essen es die Kinder nicht, aber
wenn etwas schmeckt, ist es noch lange nicht gesund. Es soll gesund sein und schme-

-6cken, damit entsprechend die jungen Menschen dann aufwachsen können. Dass wir
ständig übers Geld sprechen oder die Freiheit zitieren und immer wieder die gleichen
Debatten, von den gleichen Menschen und von den gleichen Fraktionen geführt werden, finde ich schade
Stadtrat Kalmbach (GfK): Herr Oberbürgermeister, Sie hatten vor kurzem dem Antrag
im Gemeinderat stattgegeben, dass wir zukünftig alle Kosten, die tatsächlich durch Anträge entstehen, aufgelistet bekommen. Das war jetzt eine spannende Frage. Daraufhin
habe ich mir jetzt diesen Antrag durchgeschaut. Da steht unten, 600 Euro kommen
durch diesen Antrag an Kosten auf uns zu. Ich habe mir den Antrag jetzt ganz genau
durchgeschaut und verschiedene Punkte gefunden, die uns Geld kosten. Das möchte
ich auch zukünftig wissen, darauf möchte ich hinweisen, was kostet ein Antrag wirklich, was hat er wirklich für Konsequenzen. Da steht z. B., wir machen einen Workshop
mit den Eltern. Jetzt frage ich, kostet der nichts, wird ein Externer eingeladen, wie wird
das gemacht. Wie ist die Vorstellung, dass so ein Elternworkshop durchgeführt wird.
Der kostet eine Menge Geld. Wie viel Arbeitsstunden werden eingesetzt von Leuten, die
davon Ahnung haben.
Dann heißt es hier: flankierende Infos, Motivationskampagne. Was bedeutet es, welche
Kosten kommen da auf uns zu, was wird alles getan. Dann geht es weiter mit regelmäßiger Evaluation und Erfahrungsaustausch. Da sind auch Mitarbeiter abgestellt. Die
müssen den Austausch auswerten, anleiten und all dieses. Dann geht es weiter mit Beitritt zum Bionetzwerk. Da sind 600 Euro angefallen. Das sind vielleicht die Kosten für
den Zug hin und zurück, vielleicht plus das Mittagessen. Aber ich frage mich jetzt, vielleicht gehen zwei Leute hin, die haben 16 bis 32 Stunden zusammen in zwei Tagen
verbraucht. In der Zeit sind sie nicht bei der Arbeit. Das heißt, die andere Arbeit bleibt
liegen, und es entsteht eine Arbeitsverdichtung. Das bedeutet, man muss an anderer
Stelle wieder Mitarbeiter einstellen.
So stelle ich es mir eben nicht vor, Herr Oberbürgermeister. Ich stelle mir vor, dass hier
wirklich real entstehende Kosten aufgeführt werden. Erst dann kann ich entscheiden,
will ich dem Antrag zustimmen oder auch nicht. Dem Antrag kann ich aus dem Grund
nicht zustimmen, weil das einfach von der Seite her nicht aufgeführt ist und nicht
stimmt.
Stadtrat Wenzel (FW): Bio und kostenneutral, wenn es dann auch noch den Schülerinnen und Schülern schmecken sollte, der heimischen Landwirtschaft nützt, dann will
ich hier nicht künstlich den „Direx“ spielen und nach dem Haar in der Biosuppe suchen.
Aber eine Anregung meiner Kollegin Rastätter will ich aufgreifen und die Frage aufwerfen: Wenn die gesunde Ernährung auch Wunsch der Landesregierung ist und sich mit
dem Bildungsplan deckt oder ergänzt, besteht da nicht die Möglichkeit für uns als
Stadt, als Anbieter, zu prüfen, ob das Land uns da nicht finanziell unterstützen könnte.
Dann wäre es auch noch eine Win-Win-Situation.
Stadträtin Rastätter (GRÜNE): Ich möchte kurz auf einige der Anmerkungen von
Ihnen, Kolleginnen und Kollegen, eingehen. Das Erste ist, Frau Meier-Augenstein, wir
sind tatsächlich zum Glück auf einem guten Weg. Das ist sehr erfreulich, dass wir nicht
bei Adam und Eva anfangen. Bislang ist die Situation noch so, dass bei den Ausschrei-

-7bungen empfohlen wird, 10 % Bio und auch eine Orientierung an den Empfehlungen
der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erfolgen soll. Es gibt hier noch keinerlei Festlegungen bei den Ausschreibungen. Es dominiert nach wie vor der Preis. Dazu kommt
allerdings, dass selbstverständlich auch einzelne Anbieter mehr Bio verwenden. Bei saisonalen Produkten ist es ja so, dass diese nur minimal teurer sind als konventionelle.
Anbieter gehen schon dazu über, auch Bioprodukte dann einzusetzen. Wir haben aber
keine Garantie, es ist auch nicht nachprüfbar, weil eben keine Quote festgelegt ist. Jetzt
ist es aber so, andere Städte gehen da schon weiter voran. Ich möchte gerade mal das
Beispiel Bretten erwähnen, die haben jetzt 30 % Bio verbindlich eingeführt, die ersten
Ausschreibungen erfolgen. Andere Städte wie Heidelberg sind schon viel weiter. Das ist
inzwischen eine Entwicklung, die ganz stark auch nachgefragt wird.
Sie haben die Vitale Lunchbox erwähnt. Da ist die Elternbeiratsvorsitzende, Veronika
Pepper, hier im Vorstand, auch Sören Anders, der Spitzenkoch in Karlsruhe. Die machen
tatsächlich Bio bis zu 70 %, und zwar kostenneutral. Das meine ich auch mit der geschickten Planung. Ich habe mich mit Herrn Hossein Fayazpour lange unterhalten.
Diese Schulverpflegung, also bereits 1.000 Essen in Kitas und Grundschulen, werden
von dem Verein beliefert, bereits 1.000 Essen. Diese sind tatsächlich mit höherem Bioanteil, saisonal und regional. Wir haben hier schon ein Vorbild wie es funktioniert. Wir
haben den Gesamtelternbeirat mit Veronika Pepper an der Spitze. Diese unterstützen
ganz massiv die Entwicklung. Bei 25 % Bioanteil, Herr Schmidt, selbst wenn es ungesund sein sollte, kann es doch nicht zu gefährlich sein.
Ich möchte eines dazu sagen. Wir wissen ja aus dem Land, dass die Bioprodukte aus
Baden-Württemberg regelmäßig auf Rückstände untersucht werden. Sie können die
Homepage des Landwirtschaftsministeriums aufrufen. Da geht ganz klar daraus hervor,
dass die Bioprodukte aus Baden-Württemberg, die regionalen Produkte, wesentlich
rückstandsfreier und damit auch gesünder sind. Natürlich kommt es aber immer darauf
an, wie man das Essen kombiniert. Das ist das Entscheidende. Da wollen wir eben eine
gute Schulverpflegung in Karlsruhe. Ich hoffe, dass wir doch eine Mehrheit finden, dass
wir in dieser positiven Entwicklung in Baden-Württemberg beginnen können und damit
unsere gute Entwicklung fortsetzen können.
Stadtrat Hofmann (CDU): Nur eines ganz kurz zum besseren Verständnis, weil es
schwierig ist, mit den vielen Details jetzt umzugehen. Meine Kollegin hat schon gesagt,
uns ist es besonders wichtig, dass einfach auch der Preis die entscheidende Rolle spielt.
Wir würden jetzt darum bitten, dass wir im Schulbeirat mal Modellrechnungen vorgelegt bekommen, dort erst einmal sehen, ob dies überhaupt so alles machbar ist, bevor
wir jetzt über irgendetwas abstimmen, was wir überhaupt nicht wissen, ob das nachher
so eintritt.
Der Vorsitzende: Die Fachleute halten es für möglich, im Rahmen des Kostenrahmens,
den sie gesetzt haben, Sie haben ihn heute noch mal eingefordert, mit diesem 25 %
Bio- und Regionalanteil klarzukommen. Frau Stadträtin Meier-Augenstein hat ja selbst
auf Angebote hingewiesen, die das heute sogar schon übertreffen, auch zu dem entsprechenden Preis. Von daher würde ich jetzt doch gerne den Antrag zur Abstimmung
stellen und bitte um den entsprechenden Tastendruck. - Es ist eine Mehrheit, das wird
nicht angezweifelt. Damit ist der Antrag angenommen.

-8-

Zur Beurkundung:
Die Schriftführerin:

Hauptamt - Ratsangelegenheiten –
10. November 2016