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                                        Stadt Karlsruhe
Der Oberbürgermeister

Vorlage Nr.:

INFORMATIONSVORLAGE

Verantwortlich:

Dez. 3

Sprachbildung und Sprachförderung in Karlsruher Kindertageseinrichtungen

Beratungsfolge dieser Vorlage
Gremium

Termin

TOP

ö

Jugendhilfeausschuss

09.10.2019

5

x

nö

Ergebnis

Beschluss:

Der Jugendhilfeausschuss nimmt die Vorlage zur Kenntnis.

Finanzielle Auswirkungen
Ja

Gesamtkosten der Maßnahme

Einzahlungen/Erträge
(Zuschüsse u. Ä.)

Jährliche laufende Belastung (Folgekosten
mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen)

Nein

Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden
Ja
Nein
Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen:
Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik)
Umschichtungen innerhalb des Dezernates
Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den
Folgejahren zu
IQ-relevant

x

Nein

Ja

Korridorthema:

Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO)

x

Nein

Ja

durchgeführt am

Abstimmung mit städtischen Gesellschaften

x

Nein

Ja

abgestimmt mit

Ergänzende Erläuterungen

Seite 2

Mit dieser Vorlage soll dem Jugendhilfeausschuss ein Überblick über den aktuellen Stand zur
Sprachbildung und Sprachförderung in Karlsruher Kindertageseinrichtungen gegeben werden.
Warum Sprachbildung und Sprachförderung?
Die Sprache hat für den frühpädagogischen Bereich eine maßgebliche Bedeutung, da diese eng
mit der kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung von Kindern verbunden ist. Die Unterstützung der Sprachentwicklung ist deshalb Teil einer ganzheitlichen Entwicklungsförderung
und bildet einen wesentlichen Schwerpunkt des Bildungs- und Erziehungsauftrags von Kindertageseinrichtungen (§ 22 Abs. 2 SGB VIII).
Gründe hierfür liegen in der zentralen Schlüsselkompetenz von Sprache für alle Bildungsprozesse. Die Förderung der Sprachentwicklung ist deshalb die Voraussetzung zur Schaffung
von Chancengleichheit in der Entwicklung von Kindern und stellt einen wichtigen Beitrag für
eine gelingende Bildungsbiografie dar. Darüber hinaus sind sprachliche Kompetenzen die
Grundlage von gesellschaftlicher Teilhabe und Integration.
Die Gründe für einen erhöhten Sprachförderbedarf liegen neben mangelnden individuellen
Sprachkompetenzen oder allgemeinen Entwicklungsverzögerungen auch in verschiedenen sozialen Faktoren. Ein Unterstützungsbedarf besteht häufiger bei Kindern, deren Eltern einen
niedrigen Schulabschluss haben und/oder die in einer anregungsarmen Familie aufwachsen.
Zudem sind verstärkt Kinder mit Migrationshintergrund betroffen, die nicht Deutsch als Familiensprache sprechen.
Eine alltagsintegriert ausgerichtete Sprachbildung, Spracherziehung und Sprachförderung ist für
ALLE Kinder gleichermaßen äußerst wichtig und bildet somit die Basis für einen gelungenen
Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule.
Sprachbildung und Sprachförderung in Karlsruhe
Die Stadt Karlsruhe hat sich bereits frühzeitig auf den Weg gemacht und Maßnahmen zur
Sprachbildung in Karlsruher Kindertageseinrichtungen eingerichtet. Das Bundesprogramm „Offensive Frühe Chancen: Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ (2011 bis 2015) sowie das
städtische Sprachbildungsprogramm (2012 bis 2017) mündeten im Jahr 2016/17 fast vollständig in das neu aufgelegte Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt
ist“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Zwei Karlsruher Einrichtungen erfüllten aufgrund der Platzkapazitäten nicht die Mindestvoraussetzung zur Aufnahme in das Bundesprogramm. Die Einrichtungen werden daher analog dem
Bundesprogramm über die „Förderrichtlinien für Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen in
Karlsruhe“ im Rahmen einer freiwilligen kommunalen Leistung bezuschusst.
Für die 58 Kitas, die am Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ teilnehmen, stellt die Stadt Karlsruhe
ein Fortbildungsbudget für die Träger zur Verfügung, welches den Einrichtungen ermöglicht,
sich hinsichtlich sprachlicher Bildung weiter zu qualifizieren.
Darüber hinaus gibt es die Landesförderung zum Programm „SPATZ– Sprachförderung in allen
Tageseinrichtungen“, welches zukünftig in das neue Landesprogramm „Kolibri-Kompetenzen
verlässlich voranbringen“, überführt werden soll sowie eine Vielzahl an Sprachförderangeboten
auf Trägerebene für Kinder mit Zusatzbedarf.

Ergänzende Erläuterungen

Seite 3

Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“
(Projektlaufzeit: 2016/2017 bis 2020)
Ähnlich wie die vorangegangenen Sprachbildungsprogramme in Karlsruhe liegt der Fokus des
Bundesprogramms auf der Förderung von alltagsintegrierter sprachlicher Bildung für Kinder im
Vorschulalter mit dem Ziel, den Spracherwerb aller Kinder anzuregen und zu fördern. Neben der
„Sprachbildung“ sind die „Inklusive Pädagogik“ und „Zusammenarbeit mit den Familien“ zwei
weitere zentrale Bausteine des Projekts „Sprach-Kitas“.
Die Förderung des Bundesprogramms ruht auf zwei Säulen:
1.) Zusätzliche Fachkraft für sprachliche Bildung: Die teilnehmenden Einrichtungen erhalten eine zusätzliche Fachkraft mit einem wöchentlichen Stellenumfang von 50 Prozent.
Zentrale Aufgabe der Fachkraft ist, ihre Kompetenzen im Handlungsfeld Sprache an das
Einrichtungsteam weiterzugeben. Dies beinhaltet die Beratung, Begleitung und fachliche
Unterstützung des Kita-Teams hinsichtlich der alltagsintegrierten sprachlichen Bildungsarbeit.
2.) Zusätzliche Fachberatung: Die zusätzliche Fachberatung unterstützt mit einem wöchentlichen Stellenumfang von 50 Prozent die zusätzlichen Fachkräfte und das Einrichtungsteam. Die zusätzliche Fachberatung betreut hierzu einen Verbund von 10 bis 15
„Sprach-Kitas“ und deren zusätzliche Fachkräfte. Die Aufgabe der zusätzlichen Fachberatung liegt in der kontinuierlichen Prozessbegleitung durch die Weiterqualifizierung der
„Sprach-Kitas“, Förderung von Teambildungsprozessen, Unterstützung bei der Konzeptentwicklung im Bereich sprachlicher Bildung, Zusammenarbeit mit Familien und inklusiver Bildung.
Aktuell nehmen 58 Kitas aus Karlsruhe am Bundeprogramm „Sprach-Kitas“ teil und organisieren sich in vier Verbünden mit zusätzlichen Fachberatungen.
Die Höhe der finanziellen Zuwendung des Bundesprogramms:
Umfang der Zuwendung
1) Zusätzliche Fachkraft
pro Einrichtung
2) Zusätzliche Fachberatung
pro Verbund

Maximale jährliche
Zuwendung
25.000 €

Insgesamt
1.450.000 €

32.000 €

128.000 €

Es ist somit davon auszugehen, dass die maximale Förderung des Bundes momentan bei etwa
1.578.000 Euro pro Jahr liegt. Eine genauere Angabe ist an dieser Stelle nicht möglich, da die
Finanzmittel direkt von den Trägern abgerufen werden und der Stadt nur die maximal zur Verfügung stehende Zuwendung bekannt ist.
Zuwendungsvoraussetzungen zur Aufnahme in das Bundesprogramm waren eine Mindestanzahl an Betreuungsplätzen (40 Plätze) und der Nachweis von überdurchschnittlich vielen Kindern mit besonderem Bedarf an sprachlicher Bildung und Sprachförderung in einer Einrichtung.

Ergänzende Erläuterungen

Seite 4

Zwischenbilanz und Ausblick
Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ und die vorhergehenden Sprachbildungsprogramme haben in den Karlsruher Kitas eine grundlegende und wichtige positive Qualitätsentwicklung hinsichtlich der Sprachbildung ermöglicht. Von den knapp 60 am Programm teilnehmenden Kitas,
berichtet ein Großteil von einer erfolgreichen Qualitätsentwicklung durch die zur Verfügung
stehenden Ressourcen (Beratung durch zusätzliche Fachkraft und Fachberatung, Materialien,
Aufarbeitung des theoretischen Hintergrunds). Am Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ beteiligen
sich mehr als ein Viertel der Karlsruher Kindertageseinrichtungen. Dem folgend wurde die
Sprachbildung und Sprachförderung in Karlsruher Kitas in den letzten Jahren zum größten Teil
über das Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ abgedeckt.
Die Finanzierung über das Bundesprogramm endet zum 31. Dezember 2020. Unklar ist heute,
ob weitere Fördermittel von Seiten des Bundes daran anschließen werden.
Unabhängig von einer weiteren Förderung sollte die Stadt Karlsruhe auf den bisherigen Qualitätsgewinn aufbauen und diesen weiter vorantreiben. Die Stadt Karlsruhe wird deshalb zeitnah
ein Konzept erstellen, um die bereits aufgebaute Struktur und die erreichte Qualität nachhaltig
zu sichern und im Sinne des stadtspezifischen Bedarfs weiterzuentwickeln.
Dies wird auf Grundlage der Projektevaluation „Sprach-Kitas“, der daraus gewonnenen Erfahrungen und dem daraus generierten Bedarf geschehen. Wobei zu beachten ist, dass der finanzielle Rahmen des Bundesprogramms beträchtlich ist und ein städtisches Programm diesen wohl
nicht im selben Umfang abdecken wird.
Zudem soll bei der Konzeptentwicklung über die 60 bereits im Programm aufgenommenen
Kitas hinaus eine flächendeckende Sprachbildung für alle Kinder in Karlsruhe in Zukunft gesichert werden. Damit jedes Kind mit Sprachförderbedarf in den Einrichtungen frühzeitig gefördert werden kann und somit ein wichtiger Beitrag zur Chancengleichheit geleistet wird.